Mir ist vorhin aufgefallen, dass ich schon richtig lange nichts mehr zu Kommunikation geschrieben habe. Außerdem ist mir aufgefallen, dass ich mein Vorhaben den Blog auf Englisch und Deutsch zu gestalten schon zu lange vor mir her schieben. Und weil ich entschieden habe, dass heute ein “ich mache das endlich” Tag ist, kommt hier mein erster Beitrag auf Englisch und Deutsch. Tada! 

Reden ist nicht gleich reden

Ich glaube, dass es in erster Linie wichtig ist Kommunikation weitläufiger als reden zu verstehen. Wenn reden das einzige Mittel der Wahl ist, ist die Palette der Möglichkeiten begrenzt. Irgendwann gelangen viele an ihre Grenzen. Wie geht es dann weiter? Wie kann Kommunikation in Konflikten noch aussehen?  Schreiben, schreiben, schreiben…Ich finde, dass es in Konflikten fast nichts besseres geben kann als zu schreiben. Dabei unterscheide ich zwischen zwei unterschiedlichen Formen:

  1. Schreiben für mich
  2. Schreiben für andere

Klingt banal, aber der Unterschied ist total wichtig. Wenn ich für mich schreibe, dann häufig in dem Bewusstsein, dass niemand jemals diese Sätze lesen wird. Manchmal mache ich das, wenn ich extrem wütend bin und all meiner Wut Raum geben will. Ich verletzte niemanden und gleichzeitig schaffe ich es meine Wut ernst zu nehmen und nicht in mich hinein zu schlucken. Im Gegensatz dazu überlege ich mir häufig mehrmals, was ich schreibe, wenn ich anderen Menschen einen Brief oder einen Text schreibe. Das Nachdenken und formulieren meiner Gedanken und Gefühle hilft mir zum einen zu verstehen, was ich eigentlich ausdrücken will, zum anderen hilft es anderen sich auf mich einzulassen, ohne, dass ich vor ihnen sitze, sie anstarre und möglicherweise mit einer Gesprächspause unter Druck setze. Schreiben entschleunigt. Es gibt einem außerdem die Möglichkeit, dass etwas offen gelegtes keiner Antwort bedarf. Manchmal ist das schwerer, wenn jemand vor einem sitzt und ein besorgtes oder irritiertes Gesicht macht. Die Stille auszuhalten kann schwierig sein – für alle beteiligten. Zum Teil kann es auch helfen ein gemeinsames Büchlein zu führen, indem man anderen Menschen kleine Briefchen hinterlassen kann. Zusätzlich kann man die einzelnen Texte mit Symbolen markieren, die beispielsweise bedeuten “Bitte nur lesen und zur Kenntnis nehmen” oder “Bitte lesen und im Buch antworten” oder aber “bitte lesen und ein Treffen zum reden ausmachen”. Über die Form des Schreiben zu kommunizieren, kann natürlich auch nach hinten los gehen. Alles kann falsch verstanden werden und Wörter anders interpretiert als gedacht. Deswegen an dieser Stelle noch einmal ein Verweis auf meinen Artikel zum Thema Definitionen.

Metakommunikation

Das bringt mich unweigerlich zu dem Punkt von Metakommunikation. Was bedeutet das? Ich bin der Meinung, dass die meisten Konflikte dadurch entstehen, dass Menschen unterschiedliche Ziele haben, wenn sie sich einander mitteilen. Vor ein paar Tagen war ich plötzlich total genervt, als mir jemand in einem Gespräch angefangen hat Ratschläge zu geben. Erst dann hab ich realisiert, dass ich eigentlich nur von einer Situation erzählen wollen und gar keine Meinung dazu hören wollte. Am Anfang eines Gesprächs klar zu stellen, was das Ziel meiner Kommunikation ist kann einem Konflikt zuvor kommen. Die gleiche Strategie ist aber auch ziemlich hilfreich, wenn man sich bereits in einem Konflikt befindet. Wo wollen wir gemeinsam hin? Woran wollen wir arbeiten? Soll es heute um unsere Gefühle zu dem Konflikt gehen oder reden wir über Lösungsideen? Gefühlen Raum zu lassen kann super wichtig sein, vorallem, wenn nur mir klar ist, wie ich mich in der vergangen und der jetzigen Situation fühle. Es kann aber auch hilfreich sein Gespräche über Gefühle und Gespräche über Lösungsideen zu trennen. So lässt man sich genügend Raum für beides.

Unterschiedliche Beziehungsstadien bedeuten unterschiedliche Kommunikation

Wenn Beziehungen sich verändern, dann mit ihnen meistens auch die Kommunikation. Klingt auf den ersten Blick ziemlich logisch, aber in der Realität erhält dieser Punkt wenig Anerkennung. Die wundervolle Kathy Labriola hat vor einiger Zeit in einem Vortrag über die verschiedenen Stadien der Kommunikation gesprochen. Dort unterschied sie zwischen 4 Stadien:

1. honey moon/New Relationship Energy (Flitterwochen/Neue Beziehungsenergie)

Kommunikation ist hier sehr einfach, denn am Anfang ist so viel Aufregung, Verliebtheit und Neugierde im Spiel, dass man in allen Punkten auf der gleichen Wellenlänge zu sein scheint.

2. rude awakening (hartes Erwachen)

Hier führt man erste Diskussionen und Aushandlungsprozesse, die Beziehung scheint nicht mehr magisch zu funktionieren. Beziehungsarbeit wird hier zum ersten Mal Thema und die ersten ernsthaften Diskussionen kommen auf.

3. grow up or break up (werd erwachsen oder trenn dich)

In diesem Stadium beschreibt Kathy Labriola, dass es manchmal gut sein kann sich zu trennen, weil Menschen vielleicht ganz unterschiedliche Vorstellungen von Beziehungen haben. In ihrem Vortrag spricht sie außerdem davon, dass es schön sein kann eine aufregende Liebesaffäre zu haben, aber zu einem Team im Leben zu werden schöner ist. (die Aussage finde ich im übrigen ein bisschen schwierig…denn nicht für alle Menschen ist es schöner eine langfristige und verbindliche Beziehung zu führen). Verliebtsein hält in der Regel nicht für immer an, deswegen wird früher oder später jede Beziehung vor die Entscheidung gestellt, in welche Richtung sie sich begeben will.

4. living in love (in Liebe leben)

Zu diesem Zeitpunkt habt ihr schon einige grundlegende Konflikte miteinander bestritten und an Zuversicht gewonnen, dass ihr Lösungen findet oder die Konflikte bislang klein genug waren, dass ihr damit umgehen konntet. Kathy Labriola beschreibt hier ein Stadium in dem ihrer Meinung nach viele Menschen entweder beschlossen haben zusammen zu leben oder viele Aspekte ihres Lebens miteinander teilen. Man muss über viele Kleinigkeiten reden und sich häufig absprechen. An dieser Stelle beschreibt sie auch, dass viele Beziehungspersonen denken, dass sie ihre Beziehungen so gut kennen, dass sie manchmal vergessen einander zuzuhören und Dinge für selbstverständlich nehmen. Hier treten wiederum andere Konflikte auf.

Ich denke, dass die 4 Stadien unterschiedlich schnell von Menschen durchlebt werden können. Manche würde vielleicht nach ein paar Wochen in das zweite Stadium übergehen, wohingegen andere ein ganzes Jahr in dem Gefühl der Leichtigkeit und Verliebtheit verbringen könnten. Deswegen finde ich es wichtig, dass offen kommuniziert werden kann, wo sich die einzelnen Menschen befinden und welche Art der Konflikte gerade und insbesondere wegen des Beziehungsstadiums auftreten. Seit bereit für die ein oder andere Überraschung, wenn ihr eure Beziehungperson(en) nach ihrer derzeitig wahrgenommenen Phase befragt ;).

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