Unerwarteterweise hat mich das Sommerloch härter erwischt als ich hätte ahnen können. Fast 2 Monate hab ich jetzt nichts mehr auf meinem Blog veröffentlich, dabei ist so viel passiert! Die Babypläne schreiten in großen Schritten voran, erste Um- und Einzugspläne sind in der Verwirklichungsphase, ich werde bald meine ersten “Beziehungen öffnen – wo fange ich an?” Workshops geben und kommenden Donnerstag führt der Blog Sextapes-podcast ein Interview mit mir. Super aufregend das alles und ich will euch in nächster Zeit mehr davon berichten.

Eins nach dem andern.

Heute geht es in meinem Beitrag um das Thema Exklusivität. In der Vorbereitung auf den offenen Beziehungsworkshop, hab ich intensiv meine ersten Jahre und Erfahrungen mit nicht-monogamen Beziehungen Revue passieren lassen. Dabei bin ich häufiger bei dem Thema Exklusivität hängen geblieben, weil ich mich daran erinnert habe, dass es besonders hart für mich war den Bereich der sexuellen Exklusivität zu verlieren (damals ging es ausschließlich darum mit anderen Menschen sexuelle Begegnungen zu haben, von Gefühlen war noch nicht die Rede ;)). Mein erstes Gefühl damals war “wenn meine Beziehungsperson Sex mit anderen haben will, dann stimmt etwas mit unserer Beziehung nicht“. Ich war zunächst sehr skeptisch und verletzt und traurig, zu dem Zeitpunkt hatte ich mir selbst noch nicht eingestanden, dass ich selbst super neugierig war und mich nur nicht getraut hatte den gleichen Schritt zu wagen wie meine Beziehungsperson: das Thema offene Beziehung anzusprechen.

Ich empfand es als eine große Herausforderung dieses Verständnis von Exklusivität gewissermaßen aufzulockern, denn über all dem stand für mich die Frage: Kann es nur eine Exklusivität geben?

Für mich war es total wichtig meine Beziehung(en) genau unter die Lupe zu nehmen und für mich persönlich zu definieren, was ich daran als exklusiv verstehen möchte und welche Exklusivität ich bereit bin gewissermaßen “aufzugeben”. Dabei hab ich bemerkt, dass ich total viel Sicherheit über geteilte Erinnerungen und gemeinsam erlebte Lebenszeit erfahre. Das ist für mich etwas sehr exklusives und dieses Gefühl erfahre ich in der Intensität nur mit meinen Beziehungspersonen. Deswegen wollte ich zum Beispiel auch noch nie eine “Don’t ask, don’t tell” Beziehung haben, weil ich dann das Gefühl hätte, einen wichtigen Teil in dem Leben meiner Beziehungspersonen nicht mitzubekommen und gleichzeitig nicht mit ihnen teilen zu können.

Exklusiv kann für mich auch Intimität sein. Das muss nicht unbedingt sexuelle Intimität sein, denn Intimität umschließt so viel mehr als das. Intim kann für mich eine Umarmung sein, wenn es mir besonders schlecht geht und ich mich dagegen sträube es mir selbst einzugestehen. Mich zu umarmen und dabei zu unterstützen meine Gefühle zuzulassen kann etwas ganz spezielles und unter Umständen auch etwas sehr exklusives sein. Diese Art von Exklusivität verspüre ich in mancher Hinsicht auch mit Freund*innenschaften. Ich mache da keine Hierarchie auf, Exklusivität sagt nicht zwangsläufig etwas darüber aus, welche Bedeutung der jeweilige Mensch für mich hat. Ich denke, dass der Dreh- und Angelpunkt darin besteht, dass Exklusivität Beständigkeit vermittelt, diese wiederum schafft Geborgenheit und die wiederum gibt mir das Gefühl von Sicherheit. Und Sicherheit ist ein wichtiger Aspekt für mich, um mich auf Menschen einlassen zu können. Ich will darauf vertrauen können, dass Menschen auf die ich mich einlasse nicht von jetzt auf gleich aus meinem Leben verschwinden. Ich will darauf vertrauen können, dass ich ihnen als Mensch wichtig bin, weil sie mich als Menschen schätzen (und lieben) – ganz unabhängig von unserer Beziehungsform.

Und das ist für mich die wichtigste Exklusivität.

Ganz nach dem Prinzip „trial and error“ hab ich mich selbst ins kalte Wasser der nicht-Monogamie geworfen. Niemand konnte mir damals sagen, ob sich meine Angst, dass meine Beziehungsperson eine „bessere, spannendere, tollere…“ Person findet und mich in der Konsequenz verlässt, bestätigen wird oder nicht. Heute würde ich sagen, dass sich meine Angst hätte nur bestätigen können, wenn eine/beide von uns damals gar nicht an einer offenen Beziehung interessiert gewesen wären und sie nur als Mittel zum Zweck benutzt hätten, um unsere Beziehung zu retten. Das konnte ich damals noch nicht wissen, ich hatte noch nicht das wohltuende Gefühl der Erfahrung. Worauf ich mich allerdings verlassen konnte, dass war unsere zwischenmenschliche Bindung. Ich wusste, dass egal was passiert, mir niemand diese intensive und durchaus auch exklusive Bindung nehmen kann.

Die Erfahrung machte einiges leichter. Indem ich gemerkt habe, dass meine Beziehungsperson mich nicht weniger liebt oder ein weniger wichtiger Mensch in meinem Leben sein will, konnte ich mich in vielerlei Hinsicht zunehmend für offene Beziehungen begeistern. Ich denke, dass Beziehungen so viel mehr ausmacht als bloß der Sex, allein schon, weil manche Menschen gar keinen Sex haben wollen oder irgendwann aufhören Sex zu haben im Laufe ihrer Beziehung. Beziehungen auf Sex zu beschränken würde sie meiner Meinung nach sehr eindimensional erscheinen lassen, weil Beziehungen sich auf unsere Sexualität reduzieren würden. Dabei ist jede Beziehung auf ihre Art und Weise exklusiv und besonders, auch über den Sex hinaus.

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