POLYPLOM

Von der täglichen Kunst polyamore Beziehungen zu führen

Für mich? Für dich? Für uns? Für wen bin ich hier eigentlich verantwortlich?

Die Antwort scheint auf der Hand zu liegen. Klar, ich bin in erster Linie für mich selbst verantwortlich. Ich bin zum Beispiel für meinen Körper verantwortlich. Wie ich ihn jeden Tag aufs neue einkleide und mir überlege wie ich der Binarität die Stirn bieten kann. Wenn ich blöde Entscheidungen treffe, zu viel Geld für Dinge ausgebe die ich nicht brauche oder mich lange nicht bei Menschen melde die ich sehr gerne mag. Das alles sind Entscheidungen für die ich verantwortlich bin. Ich entscheide mit wem ich eine Beziehung oder eine Freund*innenschaft eingehen will (natürlich konsensuell) und ich entscheide auch, wenn mir das nicht mehr gut tut.

So weit, so gut. Aber was ist mit den Momenten in denen ich eigentlich auf meinem Blog über Situationen schreiben wollen würde die mich beschäftigen und gleichzeitig andere Menschen entlarven/outen/der Öffentlichkeit aussetzen? Bin ich in solchen Momenten dann auch nur für mich verantwortlich? Ich glaube nicht. Das sind Momente die mir manchmal schwer fallen, weil ich mir dann ganz trotzig denke, dass das doch aber auch mit mir zu tun hat. Ich will so gut ich kann auf die Grenzen anderer Menschen achten und gleichzeitig bedeutet das, dass ich ein Medium weniger zur Verfügung habe, um meine eigenen Bedürfnisse und Gefühle zu verarbeiten und teilen. Aber nicht alles was mir gut tut, ist auch zwangsläufig gut für andere Menschen in einem Polykül. Ich weiß intime Dinge, wir teilen vertrauliche Gefühle und ich bin dafür verantwortlich, dass ich sie nicht ohne ihre Zustimmung einfach so preis gebe, entlarve und den Augen und Ohren der Öffentlichkeit aussetze. Klingt platt, ist aber so. Ich habe damit zu hadern, klar, ich würde manchmal richtig gerne hier über Situationen schreiben die mich beschäftigen und die mich stören und traurig machen. Stattdessen bringe ich sie wo anders unter und schreibe so gut ich kann aus meiner Perspektive.

Denn eine Sache die mir als monogam lebende Person nicht bewusst war, war die Tatsache, dass in Polybziehungen vieles einander beeinflusst und wir eine Art von Verantwortung für einander tragen.

Es fängt bei Kleinigkeiten an. Gemeinsam in den Urlaub fahren zum Beispiel. Vielleicht genau in den gleichen Ort über den man auch schon seit Jahren geredet hat. Mit dem Polykül einen Ausflug machen und merken, dass Menschen sich unterschiedlich viel körperliche Zuneigung schenken, was wiederum einige verunsichert. Alltag zusammen planen und plötzlich merken, dass man viel mehr Zeit mit der einen Beziehungen verbringt und nicht mit der anderen. Sich streiten, sich trennen, trauern. Alles Situationen die mir spontan einfallen würden, wenn ich daran denke, wie mehrere Beziehungen gleichzeitig einander beeinflussen können. Das ist echt schwer, denn vielleicht will man das gar nicht, aber sei es nun das Gefühl was man aus der einen Beziehung in die andere mitnimmt, weil man sich gerade stark gestritten hat. Oder die konkrete Situation in der man neidisch ist, dass etwas anders läuft und man sich benachteiligt oder abgehängt fühlt. Der Punkt ist, dass in Polykülen, Beziehungen einander beeinflussen. Sich das bewusst zu machen und damit zu arbeiten und umzugehen, darin liegt für mich irgendwie die gemeinsame Verantwortung.

Dass eine Beziehungsperson in die gleiche WG gezogen ist wie ich zum Beispiel, das war eine Sache die wir gemeinsam besprechen mussten, denn das ist nicht nur eine Veränderung die wir zu zweit aushandeln konnten. Wie viel Raum schafft es für alle Beziehungen? Und wie viel für uns als einzel Personen? Wie viel teilen wir dann miteinander und wie viel wollen wir überhaupt miteinander teilen? Was hätte es für Auswirkungen auf alle Beziehungen? Das waren ein paar der Fragen die uns alle beschäftigt haben. Gleichzeitig kann ich auch nicht über alles schreiben was zwischen uns passiert. Und das ist auch gut so.

 

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1 Kommentar

  1. polyplom

    7. Juli 2018 at 11:41

    Hey John, my website is kind of new it was a WordPress blog before that so google has to get used to the new website. It will appear faster in the future 🙂

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