Gerade eben bin ich beim Hören von Sex Tapes Podcast – Smartphone Love auf die Verknüpfung von Eifersucht und Smartphones gestoßen und konnte nicht mehr aufhören, darüber nachzudenken. Plötzlich hatte ich so viele Situationen im Kopf, in denen ich traurig oder ängstlich vor meinem Handy saß und versucht habe, die andere Person zu erreichen. Ich hatte auf einmal die Frage im Kopf, ob mein Handy mich eher dabei unterstützt oder meine Eifersucht in manchen Momenten verschlimmert, weil ich jederzeit und zu jedem Moment in Kontakt treten kann… Zum Beispiel kann ich in Momenten von Unsicherheit Freund*innen schreiben, in der Hoffnung, dass sie mich aus der Ferne begleiten und im wahrsten Sinne des Wortes mit-leiden. Das ist gut. Dann ist da auch das Wissen, dass ich jederzeit meine Beziehungspersonen anrufen könnte, egal aus welchen Gründen. Das ist auch gut. Ich kenne aber auch das Gefühl des Wartens, dieses ewige Warten, wenn man gesehen hat, dass die andere Person die Nachricht schon gelesen hat und nicht antwortet. Das ist nervig. Je nach meiner mental health Situation verstricke ich mich sogar in Gedankenspiralen und Fantasien über “den perfekten Abend”. Lässt mir schließlich auch total viel Raum zum drüber Nachdenken, wenn ich merke, dass meine Beziehungsperson antworten könnte, aber es nicht tut.

Ich mag es, wenn mein Handy eine Art Hilfsmittel ist. Wenn ich zum Beispiel mit Freund*innen schreiben oder telefonieren kann, während ich mit einer schwierigen Eifersuchts-Situation hadere. Ich mag es, wenn ich weiß, dass dort jemand ist, dem ich wichtig bin, der für mich da sein will, aber eben aus der Ferne. Ich mag es, wenn meine Beziehungspersonen mir liebevolle und rückversichernde Nachrichten schreiben können, mir aus der Ferne einen kleinen Kuss oder ein süßes Foto von ihnen schicken. Das hat mir schon häufig geholfen, wenn meine Beziehungsperson + Metamour verreist sind. Wenn ich neidisch und/oder eifersüchtig bin, dann mag ich es, wenn mir  Aufmerksamkeit geschenkt wird, und das geht eben manchmal am einfachsten durch ein kurzes Video, eine E-Mail, eine SMS oder einen Anruf.

Das Problem dabei ist nur, und das wird mir gerade so richtig bewusst, dass sich all diese positiven Aspekte auch wahnsinnig blockierend und zurückweisend auf mich auswirken können. Wenn ich das Gefühl habe, dass es eine schnelle “Zwischendurch-Nachricht” ist oder die andere Person sich keine Zeit nimmt, mir zu antworten oder ich zu viel erwarte, denn mal ganz ehrlich: Wenn man im Urlaub ist, dann will man vielleicht nicht unbedingt all die kostbare Zeit am Handy verbringen. Am schlimmsten ist es für mich, wenn ich mich vergessen fühle. Für all das kann mein Handy auch ein Hilfsmittel sein.

Ich sehe beide Seiten, die Vor- und die Nachteile, die Frage ist nur: Was kann ich in Zukunft gegen die Nachteile tun?

Ich musste gerade daran denken, dass ich das letzte Mal, als mein Beziehungsmensch ein Date hatte und ich verunsichert war, darum gebeten habe, dass wir gar nicht schreiben. Ich hätte sonst immer wieder auf mein Handy geschaut und darauf gewartet, dass eine Antwort kommt und mich dann geärgert, dass es vielleicht nicht schnell genug geht. Das hat mir in dem Moment gut getan und ich empfand es ehrlich gesagt als Erleichterung, nicht ständig auf mein Handy zu schauen. Zur gleichen Zeit habe ich mein Handy benutzt, um eine liebe Person in meinem Leben anzurufen und mit ein paar anderen Menschen ein bisschen zu schreiben, das hat mich abgelenkt und es hat mir ein gutes Gefühl gegeben, über andere Themen zu reden und nachzudenken.

Ich glaube, dass Handykommunikation noch viel schwieriger sein kann als (die) von Angesicht zu Angesicht, wenn das Thema sehr sensibel ist. Ich kann alles viel negativer, böswilliger und radikaler auslegen. Wenn ich mich sowieso schon in einer Wut-Spirale befinde, wieso nicht auch alles so negativ wie möglich verstehen? Manchmal ist der potentielle, wuterfüllte Blick, den man sich im Kopf ausmalt?, um einiges schlimmer als der eigentliche Blick. Deswegen ist Handykommunikation auch so heikel. Ich führe parallel gewissermaßen ein Gespräch mit mir selbst, während ich mit meinem Gegenüber schreibe. In diesem Parallel-Gespräch interpretiere ich alles mögliche, schließlich versteht sich ein Smiley nicht von selbst, er kann immer unterschiedlich ausgelegt werden. Das finde ich daran auch so anstrengend, obwohl es gleichzeitig aufregend sein kann. Flirten zum Beispiel, zweideutige Nachrichten, frivole Smileys, all das macht total viel Spaß, aber wenn ich eifersüchtig vor meinem Handy sitze und auf eine Antwort warte, dann ist das alles andere als spaßig.

Die Memo an mich lautet also: Es wäre gut für mich, noch mehr darauf zu achten, schwierige und heikle Situationen, insbesondere wenn es um Eifersucht geht, nicht am Handy zu entfachen. Gleichzeitig möchte ich mein Handy auch als Hilfsmittel verstehen. Manchmal tut es mir eben doch ganz gut, manchmal freue ich mich sogar, Nachrichten mit “Das Date ist voll schön!” oder ähnliches zu bekommen. Ich fühle mich also genauso schlau wie am Anfang vom Text 😉 Lasst mich wissen, was ihr mit eurem Handy so anstellt, wenn ihr Momente von Eifersucht verspürt!

Photo by Rodion Kutsaev on Unsplash

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