POLYPLOM

Von der täglichen Kunst polyamore Beziehungen zu führen

Ein kurzer Kommentar zu der Frage nach Zeit und Zeitmanagement in Polybeziehungen.

Seit einiger Zeit stolpere ich immer wieder über Sätze wie “Poly kann man nur leben, wenn man entweder reich ist oder sehr unglücklich in seiner bereits bestehenden Beziehungen” oder “Ich hab nicht mal Zeit für eine Beziehung, wie sollen da mehrere möglich sein?”…Ehrlich gesagt frage ich mich dann immer wieder, wieso Menschen nicht einfach Poly-People Fragen, wie sie das eigentlich mit dem Zeitmanagement hinkriegen. Stattdessen wird erst mal ein Fehler angenommen oder das andere Extrem: Übernatürliche Fähigkeiten oder maßig Geld.

So einfach ist das leider nicht zu beantworten. Ich habe weder superhero Fähigkeiten, noch besonders viel Geld. Was ich schon immer mochte war Planung, Orga, Struktur. Ich glaube, dass es mir deswegen auch leichter fällt. Hinzu kommt, dass ich nicht viel Zeit für mich brauche. Manche brauchen mehr, andere eben weniger. Ich glaube, dass es schwieriger wäre alles unter einen Hut zu kriegen, insbesondere in der Intensität wie gerade, wenn ich gerne 6 Tage die Woche für mich hätte. Und selbst dann wäre das möglich, weil meine Beziehungen Bedürfnisorientiert sind. Wir unterscheiden untereinander nicht in Primär- und Sekundärbeziehung, das wollten wir von Anfang an nicht, stattdessen reden wir individuell über die jeweiligen Bedürfnisse in den Beziehungen. Zusätzlich mögen sich meine Beziehungspersonen sehr gerne, dadurch können wir manchmal gemeinsame Aktivitäten planen, da muss sich dann niemand zwischen der einen oder der anderen Person entscheiden. Das ganze mit viel Achtung und Respekt und immer dem Gedanken im Hinterkopf “Ja, es ist nicht einfach alles unter einen Hut zu kriegen, aber das hat auch nie jemand behauptet”. Ich finde es sonderbar, dass davon ausgegangen wird, dass es einfach ist, zumindest wird das in meiner Wahrnehmung impliziert, wenn ich solche Sätze lese. Ich glaube auch, dass es schwieriger ist, wenn Menschen 50/h die Woche Lohnarbeiten, Kinder haben, Pflegearbeit übernehmen, mental health struggles haben, etc. Der Vorteil ist nur, dass ich einige dieser Sachen aufteilen kann in meinem Polykül. Wenn ich darüber nachdenke Kinder zu kriegen, dann mit mehreren Menschen zusammen, das bedeutet mehr Ressourcen, mehr Zeit und mehr Kraft. Wenn ich an Geld denke, dann weiß ich, dass wir uns gegenseitig unterstützen, das nimmt viel Druck raus und die Verantwortung immer alleine alles hinzukriegen. Ich finds schade, dass all diese Vorteile nicht bedacht werden, gleichzeitig muss ich zugeben, dass es mich manchmal zeitlich an meine Grenzen bringt. Ich will Zeit für andere Menschen in meinem Leben haben, für die WG und für mich. Zum Glück hab ich Beziehungsmenschen die das wissen und nicht sauer sind, wenn es nicht sofort klappt einander zu sehen!

Photo by David von Diemar on Unsplash

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1 Kommentar

  1. “Beziehungsmenschen” 😀
    Das Wort find ich super, merk ich mir.

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