1. Dinge wegzuschieben, die ich an mir selbst nicht mag, hat sie noch schlimmer gemacht.

Es war nicht einfach, sich meiner Depression zu stellen. Ich bin jetzt seit fast einem Jahr in Therapie und komme zu dem Punkt, an dem ich merke, dass ich versuche, meine Depressionen von mir weg zu schieben.

Ich dachte, wenn ich mich gut anstelle, dann könnte ich einer weiteren Runde depressiver Episoden entgehen, während sie die ganze Zeit über da war. Was für ein Mist. Es machte mir klar, dass ich das ganze Jahr hindurch viel über Eifersucht sprach, Artikel schrieb und Workshops zu diesem Thema gab, während ich gleichzeitig einen großen Teil von mir selbst verleugnete. Eine Art Doppelmoral. Nun, ich konnte es nicht wirklich wissen, ich sprach von meiner Angst wieder depressiv zu sein, dass es im Grunde keinen Platz für mich gab, die Idee, dass ich es möglicherweise die ganze Zeit war, überhaupt in Betracht zu ziehen. Wie auch immer, meine Therapeutin hat diesen Gedanken vor etwa einem Monat eingeführt und ich habe seitdem viel darüber nachgedacht. Ich weiß, es klingt irgendwie offensichtlich und wenn man es von außen betrachtet, dann lag es die ganze Zeit an der Oberfläche. Ich hatte diesen Gedanken im Kopf, dass ich mich, wenn ich depressiv bin, wirklich schlecht fühlen muss. Im Bett verstecken, viel weinen und viele soziale Ängste entwickeln. So fühlte es sich das letzte Mal an und ich nahm an, dass, wenn ich mich wieder so fühlte, die Depression zurückkehren würde. Vor etwa einem Monat wurde mir zum ersten Mal klar, dass es nicht unbedingt immer etwas wirklich Schlimmes ist. Es ist ein Teil von mir und es hat seine Höhen und Tiefen. Es ließ mich alle meine Stimmungen und Emotionen um mich herum akzeptieren und annehmen, weil ich weniger Angst hatte, dass einige von ihnen mich in meine nächsten Depressionen führen könnten. Wenn ich schon die ganze Zeit dabei war, dann gab es nichts zu befürchten, es gab keine schlechten Gefühle. Das erinnerte mich an meine Eifersucht. Solange ich es von mir wegdrückte, fühlte es sich super schlecht und beschissen und noch schlimmer an. Irgendwann hielt ich für eine Minute an und sah sie mir an. Ich begann sie zu analysieren, mit Leuten zu sprechen, darüber zu schreiben und Workshops zu diesem Thema zu geben. Es als einen Teil von mir zu akzeptieren, der weder super schlecht noch super geil ist, aber etwas dazwischen, das mich dazu bringt, an mir selbst zu arbeiten und mich selbst zu erforschen, machte es einfacher.

2. Über Dinge zu reden, die mir Angst machen, macht sie weniger beängstigend.

Über meine Depressionen zu reden, macht mich super verwundbar. Manchmal wissen die Menschen nicht einmal, wie sie reagieren sollen, weil die meisten Menschen ihre psychische Gesundheit verbergen. Oder sie wissen nicht, wie sie angemessen reagieren sollen. Ich fand es peinlich, darüber zu reden. Auch wollte ich nicht lächerlich wirken, denn Depression und Angst sind Worte, die Menschen heutzutage oft und schnell in den Mund nehmen. Ich sehe viele Artikel, die es als “Generationsphänomen” beschreiben, als ob jeder Mensch Mitte oder Ende zwanzig eine Depression in seinem Leben hätte oder hatte. Ich habe meine Meinung geändert. Da ich einige sehr ermächtigende Gespräche mit verschiedenen Leuten hatte, habe ich angefangen, sehr offen darüber zu sprechen. Sogar meine Therapeutin war super überrascht, als ich es ihr sagte. Als sie mich fragte, warum ich meine Meinung geändert habe von “nicht über etwas zu reden, was in meiner Therapie passiert” zu “sehr persönliche und intime Informationen über mich selbst in einem Podcast zu teilen”, sagte ich, dass ich es weniger beängstigend finde. Depression ist etwas sehr Unvorhersehbares und von Zeit zu Zeit auch sehr beängstigendes. Ich weiß jetzt irgendwie, was dahinter steht und wie ich an den verschiedenen Elementen arbeiten kann, aber ich kann es nicht verschwinden lassen. Ich will auch nicht. Das ist wer ich bin. Dinge laut auszusprechen, die normalerweise tabu sind, macht sie “normaler” (was auch immer das bedeutet). Ich sehe hier eine Parallele zu Polyamorie. Wenn ich über Dinge stolpere, die mir neu und beängstigend sind, wird es meist weniger beängstigend, wenn ich sie laut ausspreche. Wenn ich zum Beispiel Angst habe, dass meine Beziehungsperson morgen eines unserer Absprachen missachtet, erleichtert es meine Angst, wenn ich sie ausspreche. Das Gefühl bleibt unter Umständen da, aber vielleicht wechselt es von super beängstigend zu weniger beängstigend. Dinge laut auszusprechen kann sie weniger beängstigend machen, denn solange ich sie für mich behalte, sind sie auf die Grenzen meines Gehirns beschränkt. Wenn ich sie herauslasse, auch metaphorisch, bekommen sie mehr Raum und mehr Luft zum Atmen, es fühlt sich weniger einschränkend an. Es ist nicht einfach, sich verletzlich zu zeigen, denn über Emotionen zu sprechen ist intime, aber ich sehe eine große Möglichkeit darin sie zu teilen. Deshalb schreibe ich diesen Blogbeitrag. Außerdem denke ich, je mehr Menschen verschiedene Arten von Beziehungen kennenlernen, desto einfacher wird es für Menschen wie mich, unsere Realität zu leben.

3. Ich kann nicht alles kontrollieren.

Klingt irgendwie offensichtlich? Nun, ich stimme zu, das tut es, aber es gibt definitiv einen Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Eines der Hauptthemen in meiner Therapie ist Kontrolle. Ich habe viele Ängste und versuche, an ihnen zu arbeiten, indem ich an meinem Wunsch arbeite, alles zu kontrollieren. Alles dreht sich um unvorhersehbare Dinge, die mir passieren könnten. Ich mag sie nicht. Selbst Veränderungen sind für mich die meiste Zeit schwer, auch wenn ich sie wirklich mag. Ich kann beides gleichzeitig fühlen. Niemand kann mir sagen, wie sich bestimmte Veränderungen in meinem täglichen Leben auswirken werden oder wie sie sich auf mich auswirken werden. So ängstigen sie mich sehr. Menschen, die zum Beispiel sterben. Ernsthaft, wie gehen andere Leute damit um? Es gibt immer die Möglichkeit im Leben, dass Menschen einfach sterben. Ich frage mich immer, wie die Leute damit umgehen. Wie auch immer. Es hängt alles damit zusammen, dass ich alle möglichen Ängste habe, die wiederum mit meinen Kontrollproblemen zusammenhängen. Es war erst gestern (kein Witz!), dass ich mich entschieden habe, eine dieser Atemübungen auszuprobieren als ich wieder Angst bekam. Ich schloss die Augen, konzentrierte mich auf die Angst und versuchte, den Schmerz hinein zu atmen. Ich weiß, ich weiß, es klingt ein wenig zu einfach, aber in Wirklichkeit war es schwer auszuhalten. Ich wollte direkt in die Angst gehen und allen möglichen Gedanken in meinem Gehirn und in meinem Körper Raum geben sich zu entfalten . Aber nach einer Weile wurde es besser und dann noch ein paar Minuten und ich fühlte mich etwas erleichtert. Wenn ich in meinen Beziehungen Angst bekomme, dass ich nicht weiß, was in der Zukunft passieren wird und dass es eine beängstigende Veränderung geben könnte usw. usw. usw. mache ich im Grunde genommen genau das Gleiche. Ich halte für eine Minute an und atme ein paar Mal durch. Dann erinnere ich mich daran, dass ich, selbst wenn ich jede einzelne Situation in meinem Leben kontrollieren und mich vor möglichen beängstigenden Dingen in der Zukunft warnen könnte, das nicht wollen würde. Und ich kann auch nicht, also gibt es keine Notwendigkeit so viel Energie in das Nachdenken darüber zu investieren (manchmal mache ich es immer wieder, aber es ist schön, mich daran zu erinnern, wie viel Zeit und Kraft ich da rein investiere.Manchmal hält es mich davon ab genau das zu machen). Die Konzentration auf meine Zukunftsthemen erlaubt es mir, meine aktuellen Themen zu vernachlässigen. Wenn ich mich ihnen stellen will, muss ich tief durchatmen und sie mir genau ansehen.

4. Alles, was mich emotional belastet, belastet auch meinen Körper.

Während ich eine harte und emotional intensive Phase meines Lebens durchlebe, in der ich versuche, mich meinen tiefsten Problemen zu stellen, merke ich, dass mein Körper auf diesen Prozess reagiert. Ich habe früh in meinem Leben beachtet, dass, wenn ich mit schwierigen Themen konfrontiert war, mein Körper taub/ohnmächtig geworden ist, oder mein Auge begonnen hat zu zucken oder meine Periode für einige Zeit ausgesetzt hat, oder mein Magen begonnen hat weh zu tun. Mein emotionaler Zustand ist tief mit meinem Körper verbunden. Manchmal kann es sehr hilfreich sein. Zum Beispiel, wenn mein Körper mir zeigt, dass ich gestresst bin, wenn ich zu gestresst bin, um es zu realisieren. Oder wenn ich das Gefühl habe, dass ich wegen etwas nervös werde, weil mein Magen anfängt schwerer zu arbeiten als sonst. Manchmal ist es auch ärgerlich, wenn ich festsitze und fühle, dass ich mich nicht bewegen kann, weil ich so verletzt bin oder wenn ich mich so hilflos fühle und jeder Schritt sich wie 1000 Schritte anfühlt. Durch meine Depression habe ich gelernt, meinem Körper sehr genau zuzuhören und mich jederzeit zu fragen, was ich für meine self care tun kann. Manchmal ist es eine Umarmung, die mich zu Hause und sicher fühlen lässt. Manchmal versteckt es sich unter meiner Decke, wo es sich warm und gemütlich anfühlt. Und manchmal muss ich einfach mein Zimmer/die Wohnung putzen, um meinen Körper zu bewegen oder einen langen Spaziergang machen, um mein Taubheitsgefühl loszuwerden. Ich sehe Depressionen nicht als Krankheit, zumindest nicht für mich selbst. Es ist nur eine weitere Sache, mit der ich in meinem Leben zu kämpfen habe, und ich denke, dass es sicherlich viele Parallelen zu meiner täglichen Herausforderung gibt, Poly-Beziehungen zu managen.

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