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Von der täglichen Kunst polyamore Beziehungen zu führen

Kategorie: Allgemein (Seite 2 von 2)

8 Tipps für den Umgang mit Eifersucht

————- Weil ich finde, dass es fast nur schlimme Fotos zum Thema Eifersucht gibt, kriegt ihr lieber ein hübsches Foto aus meinem derzeitigen Aufenthalt in Kolumbien. ————–

Wie ihr wisst, beschäftige ich mich seit längerem mit dem Thema Eifersucht. Mir ist es wichtig wertschätzend darüber zu schreiben und auch in meinen Workshops verfolge ich einen Embracing jealousy Ansatz. Nach jedem Workshop gehe ich mit neuen Erkenntnissen und Ideen nach Hause und lerne immer wieder neue Ideen und Methoden für den Umgang mit Eifersucht kennen. In dem nachfolgenden Beitrag möchte ich ein paar meiner Lieblings Tipps mit euch teilen, schließlich will ich nicht die einzige sein, die davon profitiert. Weiterlesen

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Trigger/Situationen in denen ich an alte Verletzungen erinnert werde..und wie gehe ich damit um?

Kenn ihr dieses Gefühl wenn euer Körper mit euch macht was er will? Wenn ihr merkt, dass ihr euch eigentlich gerade anders verhalten wollt, aber nicht könnt, weil ihr euch blockiert fühlt. Ich kenne das ziemlich gut. Meistens erfahre ich dieses Gefühl, wenn ich mich überfordert fühle und in gewisser Weise von einer Situation so dermaßen überrascht werde, dass mein Körper komplett zu macht. Sehr häufig wurde ich in solchen Momenten getriggert/an etwas erinnert. Das bedeutet, dass eine aktuelle Situation mich in ein Gefühl versetzt das mir aus der Vergangenheit schon bekannt ist und mich unter Umständen sogar an alte Traumata erinnert. Die Gefühle aus der aktuelle und der vergangenen Situation vermischen sich und es ist für mich zunächst unklar, ob ich von der aktuellen Situation überfordert bin oder mich so stark an die vergangene Situation erinnert fühle und mich in das Gefühl von damals überkommt.

Dass ich unter anderem sehr körperlich auf Trigger/Erinnerungen reagiere, macht es nicht einfacher mit ihnen umzugehen. Ich verliere für eine gewisse Zeit die Kontrolle über meinen Körper, weil er mir durch seine Abwehrreaktion signalisiert, dass er überhaupt nicht gerne an die Herausforderungen und Verletzungen aus der vergangenen Situation erinnert werden will und sie auch gewiss nicht noch einmal erleben möchte. Vor einigen Wochen gab es zum Beispiel die Situation, dass ich mich plötzlich mit einem starken Misstrauensgefühl konfrontiert sah. Ich wusste genau, dass dieses Misstrauensgefühl mit der aktuellen Situation überhaupt nichts zu tun hatte. Meine Beziehungsperson hatte mich noch nie zuvor belogen oder mir in irgend einer Form einen Anlass zum misstrauen gegeben – wieso hätte ich also misstrauisch sein sollen? Ich vertraue ihr vollkommen und doch war ich misstrauisch.

In der Regel halten wir die meisten Absprachen in unserer offenen Beziehung sehr offen, schließlich kann es passieren, dass man einfach mal seine Meinung ändert und doch Lust auf was anderes hat. Situationen können Bedürfnisse formen und bevor ich nicht in einer bestimmten Situation war, weiß ich häufig gar nicht wie weit ich Lust habe mit anderen Menschen zu gehen. Dieses mal war es anders. Zum ersten Mal hat sie den Satz „Ich hab wenn überhaupt nur Lust zu knutschen“ fallen gelassen. Im ersten Moment mochte ich, dass sie weiß was sie will und habe darin eine gewisse Sicherheit verspürt, weil ich wusste was mich potentiell erwartet und was nicht. Je länger ich jedoch über den Satz nachdachte, umso mehr verunsicherte er mich.

Was badetet überhaupt “nur knutschen” und was wenn sie ihre Meinung ändert? Vielleicht weiß sie selbst gar nicht was sie will? Vielleicht schränkt sie das auch ein? Ich wusste plötzlich nicht mehr, ob ich mich überhaupt auf unsere Absprachen verlassen konnte und wurde misstrauisch. Ich hatte das Gefühl, dass ich eine unverhältnismäßig starke Reaktion auf eine Situation zeige, die mich in der Regel nicht so stark verunsichern würde. Und so hat dieses Misstrauen zwei konkrete Fragen aufgeworfen:

1.) Woher kommt das Misstrauen?
2.) Was hat das mit meiner Beziehungsperson zu tun?

Nach und nach habe ich mich daran erinnert, dass in meinen ersten Versuchen eine offene Beziehung zu führen, viele Absprachen ziemlich schief gelaufen sind. Wir haben uns Dinge versprochen, um einander ein Gefühl von Sicherheit zu geben und uns selbst dadurch extrem eingeschränkt. Wir haben versucht eine offene Beziehung zu leben, in der es für jeden Atemzug eine Absprache gab. Das hat uns beide stark unter Druck gesetzt unsere Bedürfnisse innerhalb dieser Absprachen zu definieren. Bedürfnisse war nicht mehr flexibel und veränderbar und das führte häufig zu Enttäuschungen und Vertrauensbrüchen, weil wir darauf vertraut haben was die jeweils andere Person gesagt hat. Die Antwort auf Frage Nr. 1 lautet also: Es erinnert mich an Situationen in denen mir eine andere Person das Gefühl von Sicherheit vermitteln wollte und sich selbst dadurch komplett eingeschränkt hat. Die Antwort auf Frage Nr. 2 konnte also nur lauten: Ich hatte Angst, dass sie sich einschränkt ohne es zu merken, ich darauf vertraue und dann aus allen Wolken fallen, weil es doch nicht so ist.

Ich finde das Beispiel so treffend, weil es eine vermeintlich kleine Situation sehr groß wirken lässt, allein durch die Tatsache, dass ich mich daran erinnert gefühlt habe. Es zeigt außerdem, dass nicht zwangsläufig jemand etwas „falsch“ gemacht haben muss, damit es sich falsch anfühlt. Wenn ich mich an vergangenen Situationen erinnert fühle, dann ist das Gefühl erst einmal im Raum. Es schafft eine angespannte Atmosphäre und die ist sehr Wirkungsmächtig. In so einem Moment gibt es zwei Perspektiven auf die Situationen. Zum einen die Perspektive der getriggerten/an etwas erinnerten Person und zum anderen diejenigen der Person(en) die dieses Gefühl ausgelöst haben. Demzufolge kann es auch zwei Möglichkeiten geben damit umzugehen. Wenn ich getriggert/an etwas erinnert wurde, versuche ich mir zunächst folgende Fragen zu stellen:

  1. Gab es schon einmal eine ähnliche Situation an die mich die aktuelle Situation erinnert?
  2. Ist/sind die gleiche(n) Person(en) beteiligt?
  3. Was war die Herausforderung/Verletzung in der vergangenen Situation?
  4. Sehe ich Elemente in der jetzigen Situation, die in mir das Gefühl aus der vergangenen Situation hervorrufen?
  5. Was brauche ich gerade, um mich wohl(er) zu fühlen?

Manchmal will ich mich auch nicht sofort mit diesen Fragen beschäftigen. Manchmal will ich mich der Situation gar nicht stellen, sondern einfach in dem Gefühl verweilen oder aufstehen und gehen. Ich verspüre häufig den Impuls einfach aufzustehen und zu gehen, wenn ich getriggert wurde. Es kommt also ganz darauf an, ob und wie ich gerade den Zugang zu mir selbst finde. Ich finde es jedoch wichtig, dass ich diese Fragen früher oder später durchdenke. Es hilft mir dabe zu verstehen, ob irgend etwas hätte anders laufen können. Wer hätte etwas anderes machen können, damit das nicht passiert Letztlich finde ich es auch fair, wenn ich zu irgend einem Zeitpunkte kommunizieren kann, was da gerade passiert ist. Ich will der/den anderen Person(en) nicht das Gefühl vermitteln, dass sie etwas falsch gemacht haben, wenn sie es gar nicht hat/haben.

Für die Person(en) die triggert(n)/etwas in mir ausgelöst haben ist es anders. Ich empfand es als erleichternd, wenn Menschen mich etwas besser kannten und gewisse körperliche Reaktionen deuten konnten. Einige davon sind zum Beispiel: Ein gesenkter Blick, wenig Augenkontakt, keine bis wenig körperliche Zuneigung oder Nähe, eine gebückte Körperhaltung, eine gesenkte Stimmlage und der Reflex zu fliehen und schnell aus der Situation raus kommen zu wollen. Mir hat es geholfen, wenn meine Reaktion nicht abgetan oder als übertrieben abgestempelt wurde. Ein vorsichtiges Annähern hilft mir häufig. Es kann auch sein, dass ich gar nicht in der Lage bin auf Fragen zu antworten, weil ich selbst nicht weiß was los ist, aber es tut gut zu wissen, dass die andere Person mich unterstützt und versucht einfühlsam für mich da zu sein.

Ich kann nicht erwarten (und will ich auch nicht), dass jemand meine Gefühlslage deutet. Ich weiß, dass das sehr schwierig bis unmöglich ist. Wenn ich jedoch weiß was mich triggert könnte/bestimmte Erfahrungen in mir hervorruft, kann ich andere Menschen darauf vorbereiten wie ich möglicherweise reagieren könnte und von vornherein klar stellen, wie ich auf bestimmte Situationen reagieren kann, ohne, dass diese Menschen notwendigerweise etwas “falsch” gemacht haben. Meine Beziehungsperson konnte mir nicht das Gefühl von Misstrauen nehmen, weil es nichts mit ihr und ihren Handlungen zu tun hatte. Das Misstrauen ist ein grundsätzliches Misstrauen und kann mir von niemandem genommen werden. Ich kann jedoch dabei unterstützt werden, dass es kleiner wird und vielleicht irgendwann einmal ganz weg ist. Je häufiger ich also positive Erfahrungen mache wenn ich misstrauisch bin, zum Beispiel, weil sich das Misstrauen nicht bewahrheitet, hilft es mir in Zukunft mich an positive, vergangenen Erfahrungen zu erinnern und die negativen Erfahrungen damit in den Hintergrund zu rücken. Ich ergänze quasi die negativen Erfahrungen durch die positiven und führe mich selbst Schritt für Schritt aus diesem Misstrauen heraus.

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4 Mütter, 1 Kind.

Mein Bruder und ich haben nicht viel gemeinsam, trotzdem ist er die einzige Person in meiner Familie, die mich schon immer dabei unterstützt hat, so zu sein, wie ich bin. Ich war 16 und er war 10 Jahre alt, als ich mich vor ihm geoutet habe. Selten hatte ich so ein unaufgeregtes Outing. Ihm war es vollkommen gleich, wen ich begehre und wie ich begehre, solange ich glücklich bin, war er es auch. Weiterlesen

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Buchtipp:Gummiband-Familien

Im November 2016 ist dieses großartige Buch heraus gekommen und ich möchte es euch allen ans Herz legen. Zum ersten Mal hab ich mein Wunsch-Familien-Konzept in einem Buch entdeckt und mich tierisch gefreut! Danke dafür, es ist euch wirklich gut gelungen. Weiterlesen

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Sollte ich häufiger alleine schlafen?

Als ich noch in einer monogamen Zweierbeziehung war und mit meiner Beziehungsperson zusammen gewohnt habe, hat mich die Frage kaum beschäftigt. Es gab ein Schlafzimmer und ein Wohnzimmer. Das ließ nicht besonders viel Raum, um sich die Frage zu stellen, ob man in der kommenden Nacht nicht lieber alleine schlafen möchte. Klar, manchmal ist eine Person weg gefahren und man musste gezwungenermaßen alleine schlafen, aber das hatte recht wenig damit zu tun, dass man sich aktiv für eine Nacht alleine entschieden hat. Weiterlesen

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Warum oute ich mich nicht?

Mit 13 hat meine Mutter mich zwangsgeoutet. Ich wusste nicht einmal selbst, was oder wen oder wieso ich überhaupt begehre. Vor Sorge über meine Suche nach mir selbst, ist sie in meine Privatsphäre eingedrungen, hat sich meiner Gedanken und Gefühle ermächtigt und mich zur Rede gestellt. Zweifelsohne war das einer der schmerzvollsten Momente meiner Jugend. Ein Moment, den ich heute gerne als “den Bruch” in unserer Beziehung bezeichne. Weiterlesen

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Die Polypflanze

Eines trüben Nachmittags beschloss das zarte Herzförmige Pflänzchen, dass in dem kleinen Topf in dem es sich seit Jahren befand, trotz der harten Bedingungen, genügend Platz sei, um Raum zu schaffen für zwei weitere Herzen. So geschah es, dass nach wenigen Tagen zwei süße, kleine Herzen das Licht der Sonne erblickten. Eine Besonderheit der Polypflanze: Sie hat von sich aus beschlossen zu wachsen, ganz ohne Hilfe und Herzpflanzen role models.

Weiterer Nachwuchs ist bereits auf dem Weg 😉

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Wo treffen, wo nicht treffen? Das ist hier die Frage.

Es gibt viele Posts, Blogeinträge und Artikel, die sich mit der Frage auseinandersetzen, wieso es so gut und hilfreich sein kann sich auf ein Treffen mit den Partner*innen und Lover*innen der eigenen Beziehung einzulassen. Was passiert jedoch danach? Wenn man absolut bereit ist sich der vielleicht Angsteinflößenden Situation zu stellen und der Person mit den vermeintlichen Superkräften zu begegnen?

Wo treffe ich mich am besten?

Um meine Erfahrungen und Hinweise dazu zu teilen, muss ich ein bisschen in der Zeit zurück gehen:

Da standen wir also. In einer Halle voll schwitziger, meist durchtrainierter Körper und sahen uns zum ersten mal in die Augen. Auf Bilder sah sie viel einschüchternder aus als in der Realität, war meiner erster Gedanke und ich musste zurück denken an den Moment, als meine Partnerin mir zum ersten mal Fotos auf Tinder zeigte. Ich kann mich noch an die zunächst oberflächliche Begeisterung erinnern, die in ihren Augen lag und die mit der Zeit immer intensiver wurde. Alles lief irgendwie auf den Moment hinaus, in dem wir uns in einer Boulderhalle gegenüber stehen sollten.

Wieso wir ausgerechnet bouldern gegangen sind? Weil es ein fließendes Miteinander möglich macht. Ich konnte bouldern, sitzen, stehen, alleine sein oder mich austauschen und das alles innerhalb eines einzigen Treffens. Das lockerte die gesamte Situation auf und nagelte mich nicht auf eine Tätigkeit fest. Ich fühlte eine gewisse Freiheit in meinen Handlungen.

Trotzdem war ich unsicher. So unsicher, dass mir erst in der Halle deutlich wurde, dass ich mit meinem relativ kleinen, unsportlichen Körper, nicht den von mir erhofften Eindruck hinterlassen kann. Ich hatte mir meine Metamour, also die Partnerin meiner Partnerin, magisch und glanzvoll vorgestellt. In meiner Vorstellung verkörperte sie all das was ich nicht war und spiegelte somit auch all das wieder, was ich sein wollte. In der Realität, in der Gegenwart, in der Boulderhalle angekommen, beobachtete ich sie dabei, wie sie sich an gelben Steinen (Schwierigkeitsstufe: leicht) entlang hangelte. Im Gegensatz zu unserer gemeinsamen Partnerin, die wie eine Spinne Stein für Stein galant bewältigte, scheiterten wir beide bereits an Schwierigkeitsstufe blau, die direkt nach gelb kam. Natürlich konnte ich es mir im Vorhinein denken, mir war bewusst, dass sie nicht magisch ist, auf keinem Einhorn angeritten kommt und so wie jeder andere Mensch auf dieser Welt nicht perfekt ist, aber meine Fantasie eröffnete mir Mittel und Wege und ließ meine Gedanken immer und immer wieder um die die Ehrfurcht der Begegnung kreisen. Klar, ich musste mich auch mit dem Gefühl auseinandersetzen, was es bedeutet zu sehen, dass meine Partnerin Gefühle für eine andere Person entwickelt. Ich hab ihnen quasi dabei zugesehen, aber was unterschiedliche Beziehungsdynamiken bedeuten und wie ich damit umgegangen bin, greife ich in einem anderen Post auf.

Das Treffen machte alles in allem einiges einfacher. Wir können seitdem Sachen zu dritt unternehmen, ich lerne meine Metamour immer besser kennen und sie ist eine zauberhafte Person, aber nicht so magisch, wie ich sie mir in meinen wüstesten Fantasien ausgemalt habe. Ich denke, dass der Ort unserer ersten Begegnung dabei entscheidend war. Ich hätte mich nur halb so wohl gefühlt, wenn ich nicht die Freiheit besessen hätte, jeder Zeit etwas anderes zu machen, als ein vielleicht unangenehmes Gespräch zu führen. Es hat auf mich immer viel Druck ausgeübt, wenn ich mich in einen geschlossenen Raum, etwas eine Bar, begeben habe, um dort den Lover*innen oder Partner*innen meiner Partnerin zu begegnen. Zum einen bin kein großer Fan von Smalltalk und zum anderen befinde ich mich ungern in eine Situation, die ich nur mit Mühe und Not verlassen kann, wenn ich will. Deswegen war bouldern genau richtig, genau wie spazieren gehen, gemeinsam eine Kuchenparty besuchen oder jegliche andere Aktivität, die Raum für Abwechslungsreiche Tätigkeiten bietet.

Mein Rat lautet also: Denkt euch kreative, entspannte und lockere erste Begegnungsorte aus und erlebt einen schönen Moment der Entzauberung 🙂

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Ask a Polyamorous Person

My favorite answer: “I am a bisexual, plus sized nightclub entertainer who grew up with two moms in Texas. I find it’s best not to worry what other people think.”

 

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