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Von der täglichen Kunst polyamore Beziehungen zu führen

Kategorie: Zutaten für gut funktionierende Beziehungen (Seite 1 von 2)

2 Gedanken gegen Primär- und Sekundärbeziehungen.

Eigentlich hab ich mir vor einiger Zeit vorgenommen mindestens ein Mal im Monat einen Beitrag auf meinem Blog zu veröffentlichen…gerade bringt mich selbst das ein bisschen an meine Grenzen. Die letzten Wochen und Monate waren ziemlich aufregend. Ich hab zum ersten Mal einen Vortrag vor 250 Menschen gehalten und über meine Erfahrungen aus den letzten 5 Jahren als Poly lebende Person berichtet. Ich war in unterschiedlichen Städten unterwegs, hab Einzel-Workshops geführt und sehr sehr sehr viel über Beziehungen geredet. Aus all diesen Erfahrungen der letzten Monate sind ein paar Gedanken zum Thema Primär- und Sekundärbeziehungen entwachsen, die ich gerne mit euch teilen würde. Dies ist meine Perspektive darauf, es gibt sehr viele andere, aber mir ist es wichtig, dass ich mich dazu positioniere, weil ich das Gefühl hatte, dass ich immer häufiger dazu gefragt werde. Weiterlesen

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Lügen fressen Kraft oder Warum Polyamorie Ehrlichkeit in Beziehungen erleichtert.

 

Wer gut lügen will, braucht zwei wesentliche Qualitäten. Zum einen sollte der eigene Körper schon eher eure*r Verbündete*r sein. Es ist nicht von Vorteil, wenn er plötzlich anfängt rot zu werden, wild zu transpirieren oder nervös von einem Fuß auf den anderen zu hüpfen… Weiterlesen

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In der Mitte zwischen zwei Beziehungen – Wie läuft das eigentlich so?

Als ich zwei Beziehungen angefangen habe, wusste ich nicht so richtig, ob ich das überhaupt kann. Nicht emotional, ich war mir schon sicher, dass ich das vertrage. Ihr müsst wissen, dass ich ein ziemlich empfindsamer Mensch mit jeder Menge Emotionen bin, dementsprechend hat es nicht daran gelegen. Ich war mir logistisch einfach nicht sicher. Wie soll ich das hinkriegen? Weiterlesen

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Absprachen revisited. Welche haben gut funktioniert und was würde ich anders machen?

Seit einiger Zeit werde ich immer mal wieder gefragt, welche Absprachen für mich gut funktioniert haben und welche nicht. Was würde ich anders machen? Was fand ich nicht  so gut? Ich will ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern und ein paar Erfahrungen von mir und von anderen Menschen, die an mich herangetragen wurden, mit euch teilen. Weiterlesen

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Beziehungen öffnen – wo fange ich an?

Ich weiß, ich weiß, nicht alle Menschen kommen irgendwann an den Punkt an dem sie etwas “zu öffnen” haben. Viele Haben schon ewig nicht-monogame Beziehungen und mussten noch nie etwas öffnen. Andere kommen vielleicht in bestehende Beziehungen dazu oder bezeichnen sich als Solo oder Single Poly. Und wiederum andere mögen den Ausdruck “offen” nicht, er suggeriert etwas zwangsläufig positives, lieber ist ihnen “nicht-monogame Beziehungen”. Weiterlesen

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Was tun, wenn Absprachen nicht eingehalten werden?

Auf einer Lesung von „more than two“ in Berlin kam die Frage plötzlich auf und mir ist aufgefallen, dass ich dazu noch nie etwas geschrieben habe. Dabei habe ich schon einige Erfahrungen damit gemacht. Misstrauen ist dabei ein großes Thema, vielleicht kennt ihr das selbst gut? Bald dazu ein eigener Beitrag. Weiterlesen

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Auf der Suche nach meiner eigenen Exklusivität.

Unerwarteterweise hat mich das Sommerloch härter erwischt als ich hätte ahnen können. Fast 2 Monate hab ich jetzt nichts mehr auf meinem Blog veröffentlich, dabei ist so viel passiert! Die Babypläne schreiten in großen Schritten voran, erste Um- und Einzugspläne sind in der Verwirklichungsphase, ich werde bald meine ersten “Beziehungen öffnen – wo fange ich an?” Workshops geben und kommenden Donnerstag führt der Blog Sextapes-podcast ein Interview mit mir. Super aufregend das alles und ich will euch in nächster Zeit mehr davon berichten.

Eins nach dem andern.

Heute geht es in meinem Beitrag um das Thema Exklusivität. In der Vorbereitung auf den offenen Beziehungsworkshop, hab ich intensiv meine ersten Jahre und Erfahrungen mit nicht-monogamen Beziehungen Revue passieren lassen. Dabei bin ich häufiger bei dem Thema Exklusivität hängen geblieben, weil ich mich daran erinnert habe, dass es besonders hart für mich war den Bereich der sexuellen Exklusivität zu verlieren (damals ging es ausschließlich darum mit anderen Menschen sexuelle Begegnungen zu haben, von Gefühlen war noch nicht die Rede ;)). Mein erstes Gefühl damals war “wenn meine Beziehungsperson Sex mit anderen haben will, dann stimmt etwas mit unserer Beziehung nicht“. Ich war zunächst sehr skeptisch und verletzt und traurig, zu dem Zeitpunkt hatte ich mir selbst noch nicht eingestanden, dass ich selbst super neugierig war und mich nur nicht getraut hatte den gleichen Schritt zu wagen wie meine Beziehungsperson: das Thema offene Beziehung anzusprechen.

Ich empfand es als eine große Herausforderung dieses Verständnis von Exklusivität gewissermaßen aufzulockern, denn über all dem stand für mich die Frage: Kann es nur eine Exklusivität geben?

Für mich war es total wichtig meine Beziehung(en) genau unter die Lupe zu nehmen und für mich persönlich zu definieren, was ich daran als exklusiv verstehen möchte und welche Exklusivität ich bereit bin gewissermaßen “aufzugeben”. Dabei hab ich bemerkt, dass ich total viel Sicherheit über geteilte Erinnerungen und gemeinsam erlebte Lebenszeit erfahre. Das ist für mich etwas sehr exklusives und dieses Gefühl erfahre ich in der Intensität nur mit meinen Beziehungspersonen. Deswegen wollte ich zum Beispiel auch noch nie eine “Don’t ask, don’t tell” Beziehung haben, weil ich dann das Gefühl hätte, einen wichtigen Teil in dem Leben meiner Beziehungspersonen nicht mitzubekommen und gleichzeitig nicht mit ihnen teilen zu können.

Exklusiv kann für mich auch Intimität sein. Das muss nicht unbedingt sexuelle Intimität sein, denn Intimität umschließt so viel mehr als das. Intim kann für mich eine Umarmung sein, wenn es mir besonders schlecht geht und ich mich dagegen sträube es mir selbst einzugestehen. Mich zu umarmen und dabei zu unterstützen meine Gefühle zuzulassen kann etwas ganz spezielles und unter Umständen auch etwas sehr exklusives sein. Diese Art von Exklusivität verspüre ich in mancher Hinsicht auch mit Freund*innenschaften. Ich mache da keine Hierarchie auf, Exklusivität sagt nicht zwangsläufig etwas darüber aus, welche Bedeutung der jeweilige Mensch für mich hat. Ich denke, dass der Dreh- und Angelpunkt darin besteht, dass Exklusivität Beständigkeit vermittelt, diese wiederum schafft Geborgenheit und die wiederum gibt mir das Gefühl von Sicherheit. Und Sicherheit ist ein wichtiger Aspekt für mich, um mich auf Menschen einlassen zu können. Ich will darauf vertrauen können, dass Menschen auf die ich mich einlasse nicht von jetzt auf gleich aus meinem Leben verschwinden. Ich will darauf vertrauen können, dass ich ihnen als Mensch wichtig bin, weil sie mich als Menschen schätzen (und lieben) – ganz unabhängig von unserer Beziehungsform.

Und das ist für mich die wichtigste Exklusivität.

Ganz nach dem Prinzip „trial and error“ hab ich mich selbst ins kalte Wasser der nicht-Monogamie geworfen. Niemand konnte mir damals sagen, ob sich meine Angst, dass meine Beziehungsperson eine „bessere, spannendere, tollere…“ Person findet und mich in der Konsequenz verlässt, bestätigen wird oder nicht. Heute würde ich sagen, dass sich meine Angst hätte nur bestätigen können, wenn eine/beide von uns damals gar nicht an einer offenen Beziehung interessiert gewesen wären und sie nur als Mittel zum Zweck benutzt hätten, um unsere Beziehung zu retten. Das konnte ich damals noch nicht wissen, ich hatte noch nicht das wohltuende Gefühl der Erfahrung. Worauf ich mich allerdings verlassen konnte, dass war unsere zwischenmenschliche Bindung. Ich wusste, dass egal was passiert, mir niemand diese intensive und durchaus auch exklusive Bindung nehmen kann.

Die Erfahrung machte einiges leichter. Indem ich gemerkt habe, dass meine Beziehungsperson mich nicht weniger liebt oder ein weniger wichtiger Mensch in meinem Leben sein will, konnte ich mich in vielerlei Hinsicht zunehmend für offene Beziehungen begeistern. Ich denke, dass Beziehungen so viel mehr ausmacht als bloß der Sex, allein schon, weil manche Menschen gar keinen Sex haben wollen oder irgendwann aufhören Sex zu haben im Laufe ihrer Beziehung. Beziehungen auf Sex zu beschränken würde sie meiner Meinung nach sehr eindimensional erscheinen lassen, weil Beziehungen sich auf unsere Sexualität reduzieren würden. Dabei ist jede Beziehung auf ihre Art und Weise exklusiv und besonders, auch über den Sex hinaus.

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Konfliktstrategien zum ausprobieren

Mir ist vorhin aufgefallen, dass ich schon richtig lange nichts mehr zu Kommunikation geschrieben habe. Außerdem ist mir aufgefallen, dass ich mein Vorhaben den Blog auf Englisch und Deutsch zu gestalten schon zu lange vor mir her schieben. Und weil ich entschieden habe, dass heute ein “ich mache das endlich” Tag ist, kommt hier mein erster Beitrag auf Englisch und Deutsch. Tada! 

Reden ist nicht gleich reden

Ich glaube, dass es in erster Linie wichtig ist Kommunikation weitläufiger als reden zu verstehen. Wenn reden das einzige Mittel der Wahl ist, ist die Palette der Möglichkeiten begrenzt. Irgendwann gelangen viele an ihre Grenzen. Wie geht es dann weiter? Wie kann Kommunikation in Konflikten noch aussehen?  Schreiben, schreiben, schreiben…Ich finde, dass es in Konflikten fast nichts besseres geben kann als zu schreiben. Dabei unterscheide ich zwischen zwei unterschiedlichen Formen:

  1. Schreiben für mich
  2. Schreiben für andere

Klingt banal, aber der Unterschied ist total wichtig. Wenn ich für mich schreibe, dann häufig in dem Bewusstsein, dass niemand jemals diese Sätze lesen wird. Manchmal mache ich das, wenn ich extrem wütend bin und all meiner Wut Raum geben will. Ich verletzte niemanden und gleichzeitig schaffe ich es meine Wut ernst zu nehmen und nicht in mich hinein zu schlucken. Im Gegensatz dazu überlege ich mir häufig mehrmals, was ich schreibe, wenn ich anderen Menschen einen Brief oder einen Text schreibe. Das Nachdenken und formulieren meiner Gedanken und Gefühle hilft mir zum einen zu verstehen, was ich eigentlich ausdrücken will, zum anderen hilft es anderen sich auf mich einzulassen, ohne, dass ich vor ihnen sitze, sie anstarre und möglicherweise mit einer Gesprächspause unter Druck setze. Schreiben entschleunigt. Es gibt einem außerdem die Möglichkeit, dass etwas offen gelegtes keiner Antwort bedarf. Manchmal ist das schwerer, wenn jemand vor einem sitzt und ein besorgtes oder irritiertes Gesicht macht. Die Stille auszuhalten kann schwierig sein – für alle beteiligten. Zum Teil kann es auch helfen ein gemeinsames Büchlein zu führen, indem man anderen Menschen kleine Briefchen hinterlassen kann. Zusätzlich kann man die einzelnen Texte mit Symbolen markieren, die beispielsweise bedeuten “Bitte nur lesen und zur Kenntnis nehmen” oder “Bitte lesen und im Buch antworten” oder aber “bitte lesen und ein Treffen zum reden ausmachen”. Über die Form des Schreiben zu kommunizieren, kann natürlich auch nach hinten los gehen. Alles kann falsch verstanden werden und Wörter anders interpretiert als gedacht. Deswegen an dieser Stelle noch einmal ein Verweis auf meinen Artikel zum Thema Definitionen.

Metakommunikation

Das bringt mich unweigerlich zu dem Punkt von Metakommunikation. Was bedeutet das? Ich bin der Meinung, dass die meisten Konflikte dadurch entstehen, dass Menschen unterschiedliche Ziele haben, wenn sie sich einander mitteilen. Vor ein paar Tagen war ich plötzlich total genervt, als mir jemand in einem Gespräch angefangen hat Ratschläge zu geben. Erst dann hab ich realisiert, dass ich eigentlich nur von einer Situation erzählen wollen und gar keine Meinung dazu hören wollte. Am Anfang eines Gesprächs klar zu stellen, was das Ziel meiner Kommunikation ist kann einem Konflikt zuvor kommen. Die gleiche Strategie ist aber auch ziemlich hilfreich, wenn man sich bereits in einem Konflikt befindet. Wo wollen wir gemeinsam hin? Woran wollen wir arbeiten? Soll es heute um unsere Gefühle zu dem Konflikt gehen oder reden wir über Lösungsideen? Gefühlen Raum zu lassen kann super wichtig sein, vorallem, wenn nur mir klar ist, wie ich mich in der vergangen und der jetzigen Situation fühle. Es kann aber auch hilfreich sein Gespräche über Gefühle und Gespräche über Lösungsideen zu trennen. So lässt man sich genügend Raum für beides.

Unterschiedliche Beziehungsstadien bedeuten unterschiedliche Kommunikation

Wenn Beziehungen sich verändern, dann mit ihnen meistens auch die Kommunikation. Klingt auf den ersten Blick ziemlich logisch, aber in der Realität erhält dieser Punkt wenig Anerkennung. Die wundervolle Kathy Labriola hat vor einiger Zeit in einem Vortrag über die verschiedenen Stadien der Kommunikation gesprochen. Dort unterschied sie zwischen 4 Stadien:

1. honey moon/New Relationship Energy (Flitterwochen/Neue Beziehungsenergie)

Kommunikation ist hier sehr einfach, denn am Anfang ist so viel Aufregung, Verliebtheit und Neugierde im Spiel, dass man in allen Punkten auf der gleichen Wellenlänge zu sein scheint.

2. rude awakening (hartes Erwachen)

Hier führt man erste Diskussionen und Aushandlungsprozesse, die Beziehung scheint nicht mehr magisch zu funktionieren. Beziehungsarbeit wird hier zum ersten Mal Thema und die ersten ernsthaften Diskussionen kommen auf.

3. grow up or break up (werd erwachsen oder trenn dich)

In diesem Stadium beschreibt Kathy Labriola, dass es manchmal gut sein kann sich zu trennen, weil Menschen vielleicht ganz unterschiedliche Vorstellungen von Beziehungen haben. In ihrem Vortrag spricht sie außerdem davon, dass es schön sein kann eine aufregende Liebesaffäre zu haben, aber zu einem Team im Leben zu werden schöner ist. (die Aussage finde ich im übrigen ein bisschen schwierig…denn nicht für alle Menschen ist es schöner eine langfristige und verbindliche Beziehung zu führen). Verliebtsein hält in der Regel nicht für immer an, deswegen wird früher oder später jede Beziehung vor die Entscheidung gestellt, in welche Richtung sie sich begeben will.

4. living in love (in Liebe leben)

Zu diesem Zeitpunkt habt ihr schon einige grundlegende Konflikte miteinander bestritten und an Zuversicht gewonnen, dass ihr Lösungen findet oder die Konflikte bislang klein genug waren, dass ihr damit umgehen konntet. Kathy Labriola beschreibt hier ein Stadium in dem ihrer Meinung nach viele Menschen entweder beschlossen haben zusammen zu leben oder viele Aspekte ihres Lebens miteinander teilen. Man muss über viele Kleinigkeiten reden und sich häufig absprechen. An dieser Stelle beschreibt sie auch, dass viele Beziehungspersonen denken, dass sie ihre Beziehungen so gut kennen, dass sie manchmal vergessen einander zuzuhören und Dinge für selbstverständlich nehmen. Hier treten wiederum andere Konflikte auf.

Ich denke, dass die 4 Stadien unterschiedlich schnell von Menschen durchlebt werden können. Manche würde vielleicht nach ein paar Wochen in das zweite Stadium übergehen, wohingegen andere ein ganzes Jahr in dem Gefühl der Leichtigkeit und Verliebtheit verbringen könnten. Deswegen finde ich es wichtig, dass offen kommuniziert werden kann, wo sich die einzelnen Menschen befinden und welche Art der Konflikte gerade und insbesondere wegen des Beziehungsstadiums auftreten. Seit bereit für die ein oder andere Überraschung, wenn ihr eure Beziehungperson(en) nach ihrer derzeitig wahrgenommenen Phase befragt ;).

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5 love languages und die Frage: Wann würdet ihr eine Beziehung beenden?

In letzter Zeit habe ich das Gefühl, dass ich inzwischen eine große Palette an Methoden, Tipps und Konzepten gesammelt habe, die mir dabei geholfen haben, mich selbst und meine Beziehungspersonen besser verstehen zu lernen. Eine davon sind die 5 love languages. Ich möchte gerne mit euch teilen, wieso ich sie so hilfreich finde und wie sie mich zu der Frage in der Überschrift bringen.

Nach Gary Chapman (bislang sind die 5 love languages das einzige was ich von ihm gelesen habe. ich glaube, dass die meisten seiner Texte eher  christlich religiös und auf die monogame zweier Ehe fokussiert sind…naja, das hier ist auf jeden Fall vielfältig auslegbar;)) gibt es 5 Beziehungssprachen. Mit Hilfe dieser Sprachen kommunizieren wir in Beziehungen, dass wir jemanden lieben und erhalten durch sie auch das Gefühl geliebt zu werden. Er unterscheidet zwischen:

  1. Lob und Anerkennung (für die unterschiedlichsten Dinge, wie etwa Leistungen oder Unterstützung, etc.)
  2. Quality Time (Zusammen schöne Sachen unternehmen, so etwas wie Ausflüge, Urlaube, Filme ansehen, gemeinsam kochen, etc.)
  3. Acts of service/ Hilfsbereitschaft (Wäsche waschen, jmd. zum Flughafen bringen, Essen kochen, massieren, etc.)
  4. Geschenke machen und bekommen (Aufmerksamkeit und Wertschätzung wird in Form von Geschenken geäußert)
  5. Zärtlichkeit/physische Nähe (jegliche Formen von Berührungen können dazu zählen, von Umarmungen, über Hände halten, bis hin zu Küssen, etc.)

 

Trauer und Verlust in Beziehungen

Durch die 5 love languages konnte ich zum ersten mal in aller Deutlichkeit in Worte fassen, wie ich in liebenden Beziehungen kommuniziere und welche Sprache(n) für mich besonders zentral sind. Sie haben mir vor Augen geführt, dass ich keinen Sex oder sexuelle Situationen brauche, um eine Beziehung als liebende Beziehung zu definieren. Mir ist durch die Beschäftigung damit klar geworden, dass körperliche Intimität nicht die  einzige und vorallem nicht die wichtigste Sprache ist, über die ich in liebenden Beziehungen kommuniziere und das Gefühl von “geliebt sein” erfahre. Sie ist mir sehr wichtig, ohne Zweifel, gleichzeitig habe ich mir schon so häufig die Frage gestellt: Was wenn körperliche Intimität ausbleibt? Ist es dann immer noch eine Beziehung? Ich hatte Angst, dass es irgend zu dem Punkt kommen könnte, an dem ich meine Beziehungspersonen körperliche nicht mehr begehre und …und dann?

Ich weiß aus schmerzvoller Erfahrung, dass es einen treffen kann, wenn die zentralen Beziehungssprachen plötzlich verloren gehen. Als aus meiner monogamen Beziehung eine geöffnete Beziehung und schließlich eine polyamore Beziehung wurde, hat sich einiges verändert. Ob temporär oder endgültig, das spielt dabei in erster Linie keine Rolle, denn ich musste mich zu erst einmal darauf einlassen von bestimmten Dingen Abschied zu nehmen. Beispielsweise die Tatsache, dass ich sehr lange die einzige Person war, die am meisten Zeit mit meiner Beziehungsperson verbringen durfte. Ich habe darum sehr lange getrauert, es hat Zeit gebraucht bis ich mich darauf einstellen konnte, dass ich das nicht mehr war. Ich denke, dass es auch wichtig war für mich, mich auf das trauern einzulassen. Wenn sich Beziehungen plötzlich verändern, vorallem in eine Richtung die ich nicht erwarte oder vielleicht nicht unbedingt selbst initiiere, dann empfinde ich es oft als ziemlich schwer loszulassen und mich auf neue Dinge einzulassen. Darum war das Trauern aber auch entscheidend, weil es mir zum einen gezeigt hat, dass dort etwas verloren ging und zum anderen, dass es mir scheinbar wichtig war, was dort verloren gegangen ist.

Die zentrale Frage lautet also: Was macht mich glücklich? Sind es Geschenke? Körperliche Zuneigung? Oder Quality Time? Und was davon spielt die größte Rolle? Denn letzten Endes kommt es auf eine einzige Frage an:

Was würde mich dazu bringen, dass ich eine Beziehung verlasse?

Das erinnert mich ein bisschen an dieses Spiel, Jenga, da geht es darum einen Turm aus Holzklötzen zu bauen und nach und nach Klötze vorsichtig zu entfernen, bis der Turm schließlich in sich zusammen bricht und jemand verliert, weil er den Stein gezogen hat der alles zum einstürzen brachte. Das ist ein Geschicklichkeitsspiel. Behutsam müssen die Steine gelöst werden, ähnlich wie bei der Beziehung. Denn Beziehungen können sich so häufig verändern und dann kommt es letztlich darauf an, welche Aspekte der Beziehung den Turm aufrecht erhalten und welche ihn zum Einsturz bringen.

Für mich ist das der spannendste Teil einer Beziehung, weil ich am meisten über mich selbst lerne. Ich habe viel Zeit damit verbracht, meine Definition von einer  Beziehung zu durchdenken. Ich war immer mal wieder hin und her gerissen zwischen “Ist das noch eine Beziehung?” und “Das ist doch alles Quatsch, klar willst du das als Beziehung definieren”, wenn sich zentrale Dinge in meinen Beziehungen veränderten. Letztlich bin ich zum dem Schluss gekommen, dass ich selbst bestimmen kann, was eine liebende Beziehung für mich ist und was nicht. Es hat zum einen geholfen über mich selbst zu lernen, dass mir zwei und nicht nur eine einzige Beziehungssprache am wichtigsten sind und zum anderen, dass ich mich dazu entscheiden kann, welche Veränderungen ich zulassen möchte und welche nicht. Manche Veränderungen fühlen sich im ersten Moment (und noch lange Zeit danach) schlecht an, andere werden sich nie gut anfühlen. Das herauszufinden bedarf für mich einem Prozess, auf den ich mich einlassen kann oder nicht. Ich kann nämlich selten sofort sagen, dass eine Veränderung sich dauerhaft schlecht anfühlen wird. Was mir schließlich bleibt, ist mich für oder gegen den Prozess des Herausfindens zu entscheiden. Und ich glaube, dass bei mir letzten Endes viel von dieser Entscheidung abhängt.

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Warum wir eine Definition von „lieben“ brauchen.

Im Dezember 1997 lief der Film „Titanic“ zum aller ersten Mal in den Kinosälen der Vereinigten Staaten. Ein Jahr später ist er der erste Film, der über eine Milliarde US-Dollar eingespielt hat und bis 2009 stand er sogar auf dem ersten Platz in der Liste der erfolgreichsten Filme. Bis ich 17 war, hatte ich den Film bereits mehrere Male gesehen. Jedes Mal in der Hoffnung, dass Jack seinem tragischen Schicksal entkommen kann. Und jedes Mal auf absurde Art und Weise enttäuscht, dass er exakt den gleichen Tod stirbt. Auf 194 Minuten entfaltete sich vor meinen Teenager Augen „wahre Liebe“. Er, aus unpriviligierten Verhältnisse, trifft sie, aus einer sehr wohlhabenden Familie und eine große Liebesgeschichte beginnt.

Sogar in der Schule zeigte man uns den Film. Er sollte wohl eine Art Äquivalent zum Sexualkundeunterricht darstellen. Ganz nach dem Motto: „Jetzt wisst ihr, wie man Sex hat, also können wir auch in 194 Minuten das Thema Liebe behandeln“. Unabhängig davon, dass ich mir gewünscht hätte eine Definition von Sex zu hören, die sich nicht ausschließlich auf „Vorspiel“ und Penetration beschränkt, wäre es auch wünschenswert gewesen, eine realistische Vorstellung davon zu bekommen, was eigentlich Liebe ist. Und wie liebe ich jemanden?

Ich wuchs, wie viele andere vermutlich auch, mit einem Mysterium auf. Liebe kann alles oder nichts sein. Alle wollen lieben, aber niemand weiß so richtig was das bedeutet. Wie auch? Selten hat mich jemand gefragt „Was verstehst du eigentlich darunter?“. In den meisten Fällen wurde das Wissen voraus gesetzt. Als wäre es mit uns zur Welt gekommen. Ganz selbstverständlich. Dabei lernen wir laufen, essen und meistens mindestens eine Sprache. Wieso lernen wir nicht zu lieben?

Weil es verlockend ist Liebe für undefinierbar zu halten. Solange unausgesprochen bleibt, was genau wir darunter verstehen, bleibt es geheimnisvoll und passt in unser Verständnis von Liebe und Romantik. Wenn es um Liebe geht, wird alles versucht zu deuten, es entsteht eine ganz eigene Sprache. Das fängt schon bei dem ersten Date an. Ob es gut lief oder nicht, das entscheidet sich meistens anhand der Körpersprache, non-verbale Kommunikation ist hier angesagt, den Konsens laut auszusprechen empfinden viele als Stimmungskiller. So geht es häufig weiter. Im Bett kommunizieren, wo meine Grenzen sind, was sich gut anfühlt oder nicht, das kostet die meisten Menschen Überwindung. Und sollten wir uns dazu entscheiden Beziehungen(en) zu führen, wird selbst dort zu wenig darüber geredet, was wir eigentlich unter einer Beziehung verstehen.

Letztlich geht es um Definitionen und deren Wirkungsmacht. Es ist schwierig über die Kunst zu lieben zu reden, wenn es gar nicht um das Verb „lieben“ und somit eine aktive Handlung, sondern um das Substantiv „Liebe“ geht, mit dem alles mögliche gemeint sein kann. Jemanden zu lieben ist eine aktive Handlung, ich bin nicht geleitet von meinen zügellosen Emotionen, die mich dazu nötigen Menschen in meinem Leben zu lieben. Ich habe mich selbst dazu entschlossen, dass ich mich auf dieses Abenteuer einlassen will, ich wurde nicht gezwungen. Liebe kann alles sein oder wie es die Definition im Duden so schön ausdrückt: „starkes Gefühl des Hingezogenseins; starke, im Gefühl begründete Zuneigung zu einem [nahestehenden] Menschen“. Klar, jemanden zu lieben hat häufig auch mit Zuneigung und Hingezogensein zu tun, aber nicht in erster Linie und besonders nicht als Grundlage für liebende Beziehungen.

Jemanden zu lieben ist Arbeit und es ist eine Kunst, wie Erich Fromm in seinem Buch „Die Kunst des Liebens“ ausführt. Dort schreibt er „wenn wir lernen wollen zu lieben, müssen wir genauso vorgehen, wie wir das tun würden, wenn wir irgendeine andere Kunst, zum Beispiel Musik, Malerei, das Tischlerhandwerk oder die Kunst der Medizin lernen wollten“.

Wir brauchen klare Definitionen, um über die Dinge die wir empfinden zu reden. Eine Definition verstehe ich dabei als Rahmen, der uns nicht von vornherein darauf festlegt, wen wir lieben dürfen und wen nicht. Vielmehr macht er es uns möglich, liebende Handlungen als solche zu verstehen und erwidern zu können. Im Gegensatz dazu zeichnet unser Verständnis von Liebe häufig ein Bild von „fluffig-leichter-Ponyhof“. Alles ist einfach und schön, und alles bleibt in Zukunft auch einfach und schön.

Die Wahrheit ist, dass lieben eine Herausforderung ist, weil ich Menschen, die ich liebe, so liebe wie sie sind, mit all ihren Wünschen und Träumen und Bedürfnissen. Das bedeutet für mich aber auch, dass ich sie dabei unterstützen will, so zu werden wie sie das möchten und sich zu den Menschen zu entwickeln, die sie sein wollen. Für den Anfang kann uns dabei die Definition von Scott Peck aus dem Buch „The Road Less Travelled“ eine große Hilfe sein. Dort definiert er lieben als „the will to extend one’s self for the purpose of nurturing one`s own or another’s spiritual growth“. („Der Wille, für den Zweck seines eigenen oder dem eines anderen geistigen Wachstums, über sich hinaus zu wachsen“). Liebende Beziehungen helfen uns dabei uns selbst besser kennenzulernen, weil sie Grenzen aufzeigen und uns einen Spiegel vorhalten. Ich muss erst einmal ehrlich zu mir selbst sein, um ehrlich zu anderen sein zu können und so lerne ich mich kennen. Wenn wir also über lieben reden wollen, dann kann es helfen ein Verständnis davon zu haben, was wir eigentlich meinen.

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