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Von der täglichen Kunst polyamore Beziehungen zu führen

Kategorie: Zutaten für gut funktionierende Beziehungen (Seite 2 von 2)

Über das Geheimnis langanhaltender Beziehungen und wofür ich dir nach 6 gemeinsamen Jahren dankbar bin.

Vor 6 Jahren lag ich in einem Bett und habe die Frage der Fragen gestellt “willst du mit mir zusammen sein?”. Ich war ziemlich jung und ziemlich unerfahren, was Beziehungen führen anging. Ehrlich gesagt, ich hatte absolut keine Ahnung von Beziehungen. Zu dem Zeitpunkt war ich der Meinung, dass es etwas schönes ist und etwas, was sich schön anfühlt, wollte ich behalten. Deswegen wollte ich diese Beziehung, weil sie mir gut getan hat.

Vieles ist seitdem passiert. Und vieles hat sich alles andere als schön und fluffig und weich angefühlt. Ich wurde verletzt und ich habe verletzt. Ich habe auch ziemlich viel gelitten und mich sehr verändert. Ich habe gelogen und war mehrfach davor zu sagen, dass ich das alles nicht mehr möchte. Ich habe mich durch dich kennengelernt, das wahre Ich, nicht die Person die ich mal vorgegeben habe zu sein oder die, von der ich dachte, dass ich sie sein müsste. Ich habe den Schmerz der Veränderung ausgehalten. Ich wäre fast daran zerbrochen. Ich habe erfahren, was es bedeutet Wahrheiten zu ertragen und gespürt, wie schwer es eigentlich sein kann ehrlich zu sein. Ich hatte sehr viel Angst. Und ich habe immer noch Angst, wenn ich daran denke, wie wichtig du mir als Mensch bist.

Die letzten 6 Jahren waren alles andere als einfach und ich denke, dass ich erst jetzt so langsam anfangen zu begreifen, was es eigentlich bedeutet in einer committed (entschuldigt, ich finde das deutsche Wort “verbindlich” oder “fest” nicht passend) Beziehung zu sein. Wir haben uns nicht magisch und von Zauberhand verändert, das war kein selbsterklärender Prozess. Jemanden zu lieben ist viel Arbeit, das habe ich nach und nach begreifen müssen. Um genau zu sein, ich musste es erlernen, weil jemanden zu lieben eine Kunst ist. Sich zu öffnen und anzuvertrauen, beutetet sich nackt zu machen. Es gibt keinen Ort des Versteckens mehr, ich komm nicht umher mich selbst zu sehen und genau das kann so angsteinflößend sein.

Die Wahrheit ist, dass lieben eine Herausforderung ist, weil ich Menschen, die ich liebe, so liebe wie sie sind, mit all ihren Wünschen und Träumen und Bedürfnissen. Das bedeutet für mich aber auch, dass ich sie dabei unterstützen will, so zu werden wie sie das möchten und sich zu den Menschen zu entwickeln, die sie sein wollen. In John Welwoods Worten ausgedrückt: “seeing and loving them for who they could be, and for who we could become under their influence”. Ich glaube, dass liebende Beziehungen, welcher Form auch immer, dazu beitragen, dass wir uns in einer bestimmten Art und Weise entwickeln können. Sich einer anderen Person gegenüber zu öffnen, ist wie einen Spiegel vorgehalten zu bekommen. Ich muss erst einmal ehrlich zu mir selbst sein, um ehrlich zu anderen sein zu können und so lerne ich mich kennen. Du hast mir dabei geholfen mich selbst zu finden oder um es in bell hooks Worten auszudrücken “we are committed to being changed, to being acted upon by the beloved in a way that enables us to be more fully self-actualized”.

Ich weiß inzwischen, dass ich mich nicht darauf verlassen kann, dass Beziehungen gleich bleiben und, dass es immer schön sein wird oder einfach oder fluffig und weich, aber ich weiß, dass ich mich darauf verlassen kann, dass wir einander mit Respekt begebenen werden und Arbeit und Zeit investieren, um uns zu lieben. Ich will mich nicht verstecken oder aus Angst vor zu viel Intimität davon laufen, weil ich letzten Endes vor mir selbst fliehen würde. Ich glaube, dass wir uns erst nackt machen müssen, um uns selbst verändern zu können und ich bin mir unsicher, ob die Art von Veränderung, ohne eine liebende, enge, vertraute und intime Beziehung, welcher Art auch immer, möglich ist. Genau aus diesem Grund bin ich die für die letzten 6 Jahre dankbar. Danke, dass du mich dabei unterstützt hast, die Person zu werden, die ich sein will. Mit all meinen seltsamen und nervigen Eigenschaften. Danke, dass du mich liebst so wie ich bin und ich ein Teil deines Lebens sein darf. Danke für die letzten 6 Jahre.

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Ist es immer besser ehrlich zu sein?

Ich bin vor einigen Tagen über folgendes Zitat aus dem Buch “all about love” von bell hooks gestolpert:

“Lots of people learn how to lie in childhood. Usually they begin to lie to avoid punishment or to avoid disappointing or hurting an adult. How many of us can vividly recall childhood moments where we courageously practiced the honesty we had been taught to value by our parents, only to find that they did not really mean for us to tell the truth all the time. In far too many cases children are punished in circumstances where they respond with honesty to a question posed by an adult authority figure. It is impressed on their consciousness early on, then, that telling the truth will cause pain. And so they learn that lying is a way to avoid being hurt and hurting others.” Weiterlesen

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Embrace your jealousy. Ein Plädoyer auf Eifersucht.

Als ich angefangen habe, mich mit offenen Beziehungen auseinanderzusetzen, war die einzige Message, die ich immer und immer wieder bekommen habe: Eifersucht ist schlecht. Das Ziel sollte sein, mich davon zu befreien, weil alles, was dahintersteht, verwerflich ist. Mein erstes Buch zu dem Thema schaffte es sogar, diese Aussage in Bilder zu fassen. Auf dem Cover war ein Herz zu sehen, umschlungen von stählernen Ketten, versiegelt durch ein mächtiges Schloss. Weiterlesen

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Warum ist Eifersucht gut und wie kann ich damit umgehen? Part 2

Ich habe Eifersucht schon auf sehr unterschiedliche Weise erlebt. Im letzten Beitrag schrieb ich über mein „ich liege auf dem Boden und bin zutiefst traurig und verzweifelt“ Erlebnis, es gibt aber auch ganz viel dazwischen. Von kurzer Unsicher, über tiefsitzende Ängste, bis hin zu Situationen dich mich an vorherige Situationen erinnern und Traumata triggern. Die Eifersuchtspalette ist reich an Inhaltsstoffen. Ich weiß keinen allgemerin gültigen Umgang mit Eifersucht, das wäre auch ziemlich utopisch, aber ich kann meine Erfahrungen mit euch teilen und vielleicht kann ich sogar dazu beitragen, dass die ein oder andere Person von meinen Gedanken dazu profitiert :). Weiterlesen

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Warum ist Eifersucht gut und wie kann ich damit umgehen?

Dieser Eintrag wird alles andere als theoretisch. Ich kann ihn nur schwer mit einer gewissen Distanz verfassen, weil das Thema immer und immer wieder eine große Herausforderung für mich darstellt. Ich verbinde mit Eifersucht viele unterschiedliche Emotionen. Die meisten davon sind negativ, das kann ich nicht leugnen, aber ich möchte euch gerne erklären, wieso es auch durchaus und vielleicht sogar in erster Linie etwas positives hat.

Wenn ich an Eifersucht denke, dann denke ich vorallem an schmerzvolle Situationen. Ich erinnere mich so zum Beispiel an die Zeit, in der meine Partnerin und ich unsere geschlossene, romantische Zweierbeziehung (RZB) zu einer geöffneten Beziehung veränderten. Ich kann mich gut an den Schmerz erinnern, an die Trauer und das Gefühl, dass mein komplettes Weltbild einmal Kopf steht. Ich kann mich auch gut erinnern, dass ich die ganze Zeit dachte, dass ich das nicht empfinden darf. Wieso sollte ich auch, wenn ich die Person liebe und möchte, dass sie glücklich ist? Wieso kann ich das nicht? Wieso bin ich dazu nicht in der Lage? Das waren alles Fragen, die mir immer und immer wieder im Kopf herum gingen. Ich konnte den Schmerz und die Trauer nicht so richtig zulassen, aber trotzdem habe ich gelitten. Ich habe so sehr gelitten, dass ich zum Teil auf dem Boden lag, geweint hab und mich vor lauter Herzschmerz und Trauer nicht mehr bewegen konnte.

Ich weiß ganz genau, dass es nicht darum geht, dass meine Partner*innen einen Menschen finden, der besser zu ihnen passt, spannender ist, großartigeren Sex mit ihnen hat etc. Mir ist durchaus bewusst, dass es meistens keine realen Gefahren sind, trotzdem fühle ich sie sehr bewusst. Genau das macht es für mich so schwer die Gefühle zuzulassen. Die ersten Bücher und “Ratgeber” die ich zu diesem Thema gelesen habe, haben mir alle vermittelt, dass es schlecht ist, dass ich das fühle und sie mir allesamt helfen wollen dieses Gefühl zu überwinden. Selbst jetzt, wenn ich nach Büchern zum Thema”Eifersucht” suche, schreiben viele davon “Eifersucht überwinden”, Eifersucht auflösen”, “Eifersucht: Bewältigungsstrategien”etc. Eifersucht ist also häufig als etwas schlecht und ablehnenswertes gesehen. Vielleicht will ich Eifersucht aber auch gar nicht “überwinden”, vielleicht will ich viel mehr lernen mit ihr in einem friedlichen Miteinander zu leben und sie als Teil meiner großen, großen Gefühlswelt zu sehen. Wieso muss Eifersucht auch von Anfang an als etwas per se negatives gesehen werden? Kann es nicht auch erst einmal ohne das Label “negativ” gelten? Ich denke schon!

Während meiner Auseinandersetzung mit mir selbst (und unzähligen aufschlussreichen Blogs, Online Artikeln und Büchern), ist mir immer klarer geworden, dass Eifersucht nicht nur eine Störung meines behutsamen Alltags ist, sondern auch als Aufstörung oder eine Art Antrieb funktioniert. Sie deutet darauf hin, dass mir eine Beziehung, welcher Art auch immer,  wichtig ist. Letzten Endes ist es also irgendwie ein Mechanismus, um die Art von Beziehung zu beschützen die ich habe,  mit dem Ziel sie Aufrecht zu erhalten. Was für ein komplexes Gebilde steht also hinter Eifersucht?

Ich stelle es mir gerne – auch wenn es ein bisschen kitschig ist – folgendermaßen vor: IMG_1405.jpg

Ich glaube, dass ihr trotz meiner miserablen Zeichenkünste erkennen könnt, was es darstellen soll: einen Eisberg. Eifersucht ist sozusagen bildlich gesprochen der Gipfel des Eisbergs. Er deutet zwar an, was unter ihm lauert, aber auf den ersten Blick zieht man nur die Spitze, somit empfinde ich zunächst das Gefühl von Eifersucht. Darunter liegen all die unterschiedlichen, mehr oder weniger offensichtlichen Gefühle, die mich unmittelbar zu mir selbst führen. Durch all den Schmerz bin ich letzten Endes gezwungen mich mit mir selbst auseinander zu setzen und auf große Entdeckungsreise in die Tiefen meiner Gefühlswelt einzutauchen. Was ich dort finde? Viele, viele Ängste. Unter anderem auch Wut, hauptsächlich auf mich selbst und immer wieder Trauer und Traurigkeit. Ich empfand dabei den Artikel “What are you experiencing when you are jeaulous?” von Kathy Labriola als sehr, sehr hilfreich (selbst wenn er zum Teil heteronormativ ist), weil er mir geholfen hat Eifersucht innerhalb dieser drei sehr dominanten, negativen Emotionen zu verstehen : Wut, Trauer und Angst. Ich finde es total hilfreich, wenn ich meine Emotionen strukturieren kann und sie sich nicht wie ein diffuser, großer, unüberwindbarer Knoten anfühlen. So werden sie greifbarer und realer und ich kann daran arbeiten und mich verändern, wenn ich das möchte. Die drei Emotionen sind jedoch auch wieder “nur” Unterkategorien und es hilft mir häufig so klar wie möglich zu definieren, was ich eigentlich fühle. Dabei kann es von einem Gefühl von Ohnmacht, über Depressionen und Hilflosigkeit, bis hin zu Verlustängsten, der Angst vor Einsamkeit, Schwindelgefühlen, Motivationslosigkeit und Bauchkrämpfen etc. reichen. Kathy Labriola schlägt außerdem vor einen jealousy pie zu zeichnen, der einem verdeutlichen soll, ob und welche der drei Emotionen vordergründig zum Vorschein kommen. Das kann folgendermaßen aussehen:

IMG_1406.jpg

Wichtig Fragen wären in meinem Fall:

1.) Wovor habe ich Angst?

2.) Wie wahrscheinlich ist es, dass sich meine Ängste bewahrheiten?

3.) Wie gehe ich damit um, wenn sie sich bewahrheiten? Was kann ich tun, um mich um mich selbst zu kümmern? Was brauche ich?

Der letzte Punkt ist besonders wichtig, weil das eigentlich der Dreh- und Angelpunkt der ganzen Transformation ist. Ich kann nicht besser mit Situationen umgehen, wenn ich nicht weiß was ich brauche, um damit umzugehen. Was fühlt sich gut an? Was kann ich machen, um self care zu betreiben? Mir hilft es zum Beispiel mir schöne Dinge vorzunehmen, wenn mich Situationen verunsichern. Ich muss nicht den ganzen Abend zu Hause sitzen und mich gewissermaßen zwingen das Gefühl durchzustehen und auszuhalten, wenn eine meiner Beziehungspersonen gerade auf einem Date ist. Es ist auch okay  und sogar sehr schön mir eine schöne Abendgestaltung zu überlegen und gegebenenfalls Freund*innen um Unterstützung zu bitten. Ich muss nicht alleine irgendetwas durchstehen, das fällt unter den Punkt “nicht zu hart zu sich selbst sein”, auf den ich etwas später eingehen werde. Manchmal ist es auch schön sich noch einmal in Erinnerung zu rufen, dass viele meiner Vorstellungen von Liebe und Beziehungen von einer heteronormativen Gesellschaft geprägt sind. Es macht total Sinn, dass ich eifersüchtig werde, wenn mir beinahe jeder Film und jedes Buch, was ich in meiner Jugend gelesen und gesehen habe, suggeriert, dass jede Beziehung aus zwei Menschen besteht und jegliche Form von Interesse, das über Freundschaft hinaus geht, als verwerflich und problematisch dargestellt wird. Wir lernen, dass Menschen nur das Interesse an anderen Menschen entwickeln, wenn sie unzufrieden sind in ihrer Beziehung und ihre*n Partner*in nicht mehr begehren. Dass das nicht zwangsläufig stimmt, ist schwer zu realisieren, wenn ich die meiste Zeit meines Lebens diese Dinge nicht in Frage gestellt habe. In welchem Film kriege ich auch zu hören: “Warte, lass dich nicht von diesem Film beeinflussen, du kannst immer noch selbst entscheiden was du unter Eifersucht verstehst” oder “Kinder, das ist nur eine Form von Beziehung, da draußen gibt es noch so viel mehr zu entdecken. Husch, husch”. Es gibt weniger role models für Polybeziehungen in Filmen/Büchern/Zeitschriften etc. und so erscheint es mir auch logisch, dass es nicht einfach ist seine eigenen Regeln, Grenzen, Strukturen und Bedürfnisse, außerhalb einer geschlossenen Monomanen Beziehung zu finden. Das kostet viel Energie und Zeit und manchmal bin ich dabei schon aus allen Wolken gefallen, weil meine Beziehung doch nicht so unveränderter schien wie ich dachte.

Ich habe für mich vor nicht all zu langer Zeit gelernt, dass es vollkommen okay ist zu trauern, leiden und all den Schmerz zu empfinden, der mit dem Gefühl von Eifersucht in Erscheinung tritt. Daran ist nichts verwerfliches oder schlechtes. Besonders realistisch ist es auch, dass ich als Person in einer Polybeziehung und zwei offenen Beziehungen, trotzdem auch immer wieder eifersüchtig bin. Ich bin nicht immun dagegen, ich bin genau so wie andere Menschen auf dieser Welt manchmal unsicher und manchmal auch besonders empfindsam für gewisse Situationen und ich will mich dafür nicht schämen müssen. Mir ist es jedoch auch wichtig geworden, dass ich mich nicht von der(n) Emotion(en) überwältigen lasse. Eifersucht kann so kompliziert sein und einen im wahrsten Sinne des Wortes vollkommen überrollen, aber ich mache mir immer wieder bewusst, dass ich immer noch die Kontrolle über meine Handlungen habe und an bestimmten Sachen arbeiten kann, wenn ich es denn will. Um diesen Eintrag allerdings nicht ins Unendliche auszuweiten, schreibe ich darüber in  “Why is jealousy good Part 2”. Ich will außerdem gerne (m)einen Umgang mit Eifersucht mit euch teilen, auf self care und auf die Fragen “Was, wenn mich Situationen von früher triggern? und “Was hat eigentlich Eifersucht mit Vertrauen zu tun?” eingehen.

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Grenzen. Embrace the power of No.

Vor etwas mehr als einem Jahr hatte ich eine für mich sehr bahnbrechende Erkenntnis. Eigentlich waren es mehrere bahnbrechende Erkenntnisse. Das meiste davon hatte unmittelbar mit einem Podcast über Boundaries: a conversation with Hilary Nunes auf dem Sender Carnalcopia zu tun. Dieses 1-stündige Gespräch über Grenzen hat im wahrsten Sinne des Wortes mein Leben ein Stück weit verändert. So pathetisch das jetzt klingen mag, ich will euch erklären wieso es eigentlich ganz einfach war.

Es gab Zeitpunkten in meinen Beziehungen – und es gibt sie immer und immer wieder – wo ich mich selbst noch nicht gut genug kannte, um abschätzen zu können, wo eigentlich meine Bedürfnisse und die damit verbundenen Grenzen lagen. Und selbst als ich es dann wusste, habe ich mich nicht immer getraut sie zu äußern. Klar, zum Teil lag es daran, dass ich nicht genau wusste was ich eigentlich will, aber zum größten Teil ging es bei mir um zwei grundlegende Ängste:

  1.  Mein Bedürfnis könnte sich so sehr von dem meiner Partner*innen unterscheiden, dass ich meine Beziehung riskiere
  2. Die andere Person respektiert nicht meine Grenzen/belächelt mich/versucht mich vom Gegenteil zu überzeugen etc. und dann fühle ich mich zurückgewiesen, abgelehnt oder nicht ernst genommen

Was tun also? Ich habe es mir in den meisten Fällen sehr einfach gemacht. Das Unbehagen für mich zu behalten schien einfacher als zu kommunizieren, was denn mein eigenes Bedürfnis ist – und noch dazu war es Risikofreier.

Ich habe mir zum Beispiel lange Zeit nicht eingestehen wollen (da hat es also an Ehrlichkeit zu mir selbst und zu andere gefehlt), dass ich auch andere Menschen auf dieser Welt außerhalb meiner Beziehung(en) attraktiv und sexuelle anziehend finde und der Rest der Welt unter einem magischen Deckmantel verschwindet. Es war also ein bisschen wie ein doppelter Schlag ins Gesicht als meine Beziehungsperson damals eine geöffnete Beziehung probieren wollte. Ich war hauptsächlich enttäuscht von mir selbst, aber die Enttäuschung hat sich damals in Form von Wut, Traurigkeit und Verlustängsten gegenüber der anderen Person geäußert, schließlich war es einfacher negative Gefühle auf andere zu projizieren als die Ursache des Ganzen bei mir selbst zu suchen.

Die unmittelbare Konsequenz aus meinem scheinbar einfachen Weg: Ich habe angefangen zu zweifeln. Und zwar nicht nur an mir und mit welcher Intention ich eigentlich Dinge mache, sondern auch an anderen Menschen. Von mir habe ich auf andere geschlossen und mich gefragt, ob Menschen gerade wirklich das wollen was sie sagen. Wie kann ich auch ein „Ja“ wertschätzen, wenn ich immer wieder in Frage stelle, dass es eben so gut ein „Nein“ sein könnte. Eigentlich hatte ich im Grunde genommen Angst vor der Konsequenz aus einem “Nein”. Was hab ich also gemacht?

Ich musste meine Logik komplett umstellen. Anstatt mich darauf zu fixieren, dass “Ja” etwas positives und “Nein” etwas negatives ist, habe ich, vorallem seitdem ich das erste mal den Beitrag über Boundaries gehört habe, folgendes gelernt: Wenn ich weiß, dass Menschen bewusst und selbstsicher zu Dingen “Nein” sagen können, kann ich ihr “Ja” viel mehr wertschätzen. Embrace the power of No. Anstatt mich von einem “Nein” abschrecken zu lesen oder das Gefühl zu haben Ablehnung und Zurückweisung zu erfahren, versuche ich es aus einer anderen Perspektive zu sehen – auch wenn es mir immer wieder schwer fällt mich von dem Gefühl von Zurückweisung zu distanzieren, weil das starke Emotionen in mir hervor ruft. Je mehr ich weiß, was Menschen wollen oder nicht, umso schöner und sicherer fühlt es sich an, umso sicherer fühle ich mich in der Beziehung. Grenzen fühlen sich gut an, weil ich weiß was sich gut anfühlt für andere und ich kann entscheiden, wie ich darauf Rücksicht nehmen will oder nicht.  Grenzen helfen mir mich zu verstehen und ich bin der Meinung, dass sie auch anderen helfen mich besser zu verstehen. Klar, ich kann sie komplett über Bord werfen und genau das Gegenteil von allem machen. Genau so gut kann ich versuchen rücksichtsvoll und umsichtig mit den Grenzen anderer Menschen umzugehen und sie nicht mit Füßen zu treten. Schließlich bin ich nicht in Beziehungen mit Personen die mir unwichtig sind, wieso sollte ich sie bewusst mit meinen Handlungen verletzen? So lerne ich mich also kennen. Eine meiner Beziehungspersonen hat sehr schön gesagt, dass es logischerweise schwierig ist anderen näher zu kommen, weil man sich öffnet und dadurch komplett auf sich selbst zurück geworfen wird. Je näher ich jemandem komme, umso näher komme ich mir selbst und klar kann das beängstigend und schwer sein und Dinge hervor holen die tief in mir lauern.

So musste ich also über mich lernen, dass ich starke Verlustängste habe die Form von Beziehungen zu verlieren die ich führe. Aus Angst das zu “verlieren” habe ich Bedürfnisse nach hinten gestellt oder sie gar nicht erst zugelassen. Zum einen ist es glaube ich absurd, weil ich damit meinen Beziehungspersonen unterstelle, dass sie damit nicht klar kommen würden und die Angst berechtigt ist und zum anderen erachte ich mich selbst und meine Bedürfnisse als nicht wertvoll genug, dass ich sie so sehr als Priorität setze und es unabdingbar ist sie anzusprechen. Nachdem ich also vor einigen Tagen zum gefühlt zehnten Mal den Beitrag über Boundaries angehört habe, ist mir wieder einmal bewusst geworden, dass alle meine Emotionen und Bedürfnisse eine Daseinsberechtigung haben, ob sie erfüllt werden können oder ob es gut oder schlecht ist ihnen nachzugehen ist in erster Linie unwichtig. Aber ich glaube, dass es wichtig ist Dinge erst einmal ansprechen zu können und darüber zu reden.

Grenzen und Bedürfnisse können sich aber logischerweise auch verändern. Was ich vor fünf Jahren wollte ist vielleicht nicht mehr das gleiche was ich jetzt will. Es ist sogar ziemlich sicher nicht das gleiche. Zum Teil wollte ich sogar meine Grenzen bewusst verändern. Ich wollte irgendwann keine monogame Beziehung mehr haben und was für mich damals als “Betrug” und Grenze schien, wurde plötzlich ehrlich gelebte Realität. Sex, Liebe, Körperlichkeiten, Zuneigung, etc. mit Menschen außerhalb meiner einzigen Beziehung, waren auf einmal kein Tabu mehr und auch keine Grenze, ich wollte sie bewusst verschieben und verändern, weil es sich wichtig und richtig angefühlt hat. Gut oder einfach hat es sich nicht im ersten Moment angefühlt und ich habe lange gebraucht, um mich in dem neunen Konstrukt sicher zu fühlen, aber nur weil es sich im ersten Moment scheiße anfühlt und vielleicht weh tut, heißt es nicht, dass es in Zukunft auch noch so bleibt.

Letzten Endes war es für mich irgendwie wichtig, mich auf einen Prozess einzulassen der nicht von heute auf morgen funktioniert hätte und Zeit und Geduld in Anspruch genommen hat. Eine gute Metapher dafür sind die Lauferlebnisse einer meiner Partnerin. Sie geht gerne regelmäßig 8-10 km joggen, das bedeutet aber noch lange nicht, dass sie einfach so von heute auf morgen einen Halb-Marathon (21km) laufen könnte. Ihre physische Grenze liegt also bei 10 km, da sie aber gerne einen Halb-Marathon laufen wollte, hat sie angefangen sich darauf vorzubereiten und ihre Grenze hat sich verändert. Ihr Bedürfnis hat sich verändert, sie hat sich auf den Prozess der Veränderung eingelassen und damit hat sich auch eine neue Grenze entwickelt. Nächstes Jahr oder in zwei Jahren kann es eben wieder eine komplett andere Grenze sein.

Ich glaube, dass nicht alles durch Kommunikation gelöst werden kann, manche Dinge lassen sich so häufig besprechen bis es nicht mehr weiter geht und Kommunikation nur ermüdend ist und man sich im Kreis dreht. Ich glaube aber auch, und das ist zumindest mir wichtig geworden, dass es sich gut anfühlt eine Atmosphäre in meinen Beziehungen zu schaffen, in der es erst einmal gut ist Dinge anzusprechen. Was damit dann passiert und welche Emotionen das hervor holt ist eine andere Sache, aber ich möchte mich darum bemühen und meine Partner*innen dazu ermuntern ehrlich mit mir und ehrlich mit sich selbst zu sein. Das bedeutet, dass ich versuche wertschätzend mit Gefühlen und Gedanken anderer umzugehen und ihnen von meiner Seite (so gut ich kann) ein sicheres und aufgehobenes Gefühl zu vermitteln.

Das war Teil drei meiner Kommunikationsstrecke. Hier findet ihr die beiden anderen Beiträge:

Was heißt Sex? Ehrlichkeit? Betrug? fummeln? flirten? allein sein?.. Über die Notwendigkeit von Definitionen.

Das kleine 1×1 der Kommunikation..und wieso ist das eigentlich so verdammt schwer?

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Was heißt Sex? Ehrlichkeit? Betrug? fummeln? flirten? allein sein?.. Über die Notwendigkeit von Definitionen.

Je mehr ich drüber nachdenke, umso häufiger fällt mir auf, dass sich die meisten Konflikte in meinen Beziehungen um Definitionen drehen. Vor einiger Zeit musste ich zum Beispiel feststellen, dass eine meiner Beziehungspersonen “alleine sein” nicht notwendigerweise als ein Bedürfnis, sich in ihrem Zimmer oder sonstigen Räumlichkeiten oder Situationen komplett zurück zu ziehen, sieht. Vielmehr ist es für sie die schlichte Voraussetzung, unabhängig von anderen Menschen Entscheidungen treffen zu können, ohne sie mit anderen in irgend einer Form kommunizieren oder absprechen zu müssen oder zu wollen. Der Konflikt entsteht für mich natürlich dann, wenn der Satz “ich würde ganz gerne alleine sein”, ein komplett anderes Bild hervor ruft, als das was meine Partnerin eigentlich meint. Ich stelle mir vor, wie sie alleine in ihrem Zimmer sitzt oder ins Kino geht oder ein Buch liest, stattdessen sitzt sie mit ihrer WG in der Küche und trinkt Wein. Das irritiert und ruft bei mir ein Gefühl von Unehrlichkeit hervor , obwohl es einzig und allein um unterschiedliche Definitionen von Wörtern geht. Klar, seitdem ich das verstanden habe, ist es kein Thema mehr, aber erst einmal zu realisieren, dass es unterschiedliche Definitionen von “allein sein” gibt, das hat einen Moment lang gedauert.

Viele Begriffe die jeden Tag benutzt werden, scheinen für alle so eindeutig und so klar zu sein und gleichzeitig frage ich mich häufig, ob wir wirklich von ein und den selben Dingen sprechen. Sex zum Beispiel. Wann fängt Sex überhaupt an? Und was ist der Unterschied zu fummeln? Wieso gibt’s überhaupt solche Wörter wie “Vorspiel”? Was ist denn dann das “Nachspiel”? Ist es erst “das richtige” Spiel, wenn es um Penetration geht? Oder Orgasmen? Einige Menschen in meinem Leben hatten schon so manch ernüchternden Moment, als sie festgestellt haben wann sie eigentlich zum ersten Mal Sex hatten in ihrem Leben, nachdem sie ihre Definition von Sex hinterfragt und sie nicht nur und ausschließlich an den Akt der Penetration gekoppelt haben. Ein befreundetes Pärchen musste die Erfahrung machen, dass für die eine Person von Sex die Rede ist wenn nackte Körper im Spiel sind, die andere Person hingegen versteht Sex sehr wohl auch im Kontext von bekleideten Körpern und deren Miteinander. Das führte zu Beginn ihrer geöffneten Beziehung zu einem enormen Konflikt als sie feststellen mussten, dass eine von beiden mit anderen Menschen Sex hatte, selbst wenn sie es selbst nicht so definiert hätte.

Ich glaube, dass eine meiner größten Herausforderungen im Kontext von Definition war, dass ich erst einmal verstehen musste, dass Menschen Dinge komplett unterschiedlich verstehen und definieren können. Daraus ergibt sich ein vollkommen anderer Aushandlungsprozess. Dann geht es nicht nur um leere Worthülsen für große Begriffe wie Ehrlichkeit, Sex, Betrug, etc., sondern auch um deren unterschiedliche Auslegung und die Grenzen die damit einher gehen. Was bedeutet es zum Beispiel ehrlich zu sein? Heißt es bedingungslos und uneingeschränkt alles zu teilen? oder einfach nur ehrlich zu antworten, wenn man danach gefragt wird? Ist es okay Dinge zu verschweigen, weil sie nicht relevant sind? Und was ist der Unterschied zwischen der Ehrlichkeit zu sich selbst und Ehrlichkeit zu anderen? Wenn ich weiß was die andere/n Person/en von mir erwarten, wie sie Dinge verstehen und definieren, kann ich unterschiedlich Rücksicht darauf nehmen, selbst wenn ich den Begriff anders beschreiben würde. Je mehr ich weiß, umso einfacher fällt es mir logischerweise mich rücksichtsvoll und respektvoll zu verhalten.

Ich kann nicht die Gedanken meiner Beziehungspersonen lesen, ich kann und will auch nicht ihre Erwartungen und Wünsche von den Lippen ablesen, das ist utopisch und führt nur zu Enttäuschungen. Definitionen schaffen Klarheit. Ich weiß was andere Menschen brauchen, wo sie vielleicht verletzbar und unsicher sind, was ihnen gut tut und wie ich auf sie Rücksicht nehmen kann. Definitionen bedeuten auch viel, viel, viel kommunizieren, sich austauschen, sich selbst kennenlernen und hinterfragen. Klar, es ist einfach, wenn ich mich selbst hinter den Begriffen “Betrug oder Verrat” verstecke, aber es ist ehrlicher, wenn ich auch sagen kann, was genau das für mich bedeutet, wie es sich anfühlt und wie es das nächste mal anders laufen kann.

Viele Begriffe sind in meiner Wahrnehmung sehr allgemein (wie Freiheit) oder negativ vorbelastet (wie Betrug), dass es schwierig macht neutral oder spezifisch über Dinge zu reden. Ich finde es einfacher, wenn ich versuche so spezifisch wie möglich das Gefühl oder die Situation zu beschreiben. Es fühlt sich so an, als ob ich mich hinter Überbegriffen verstecken würde, sie benutzen würde, um eine Emotion oder Stimmung zu kreieren. Klar, es fühlt sich für mich einfacher an, wenn ich einfach so tue, als ob mein Gegenüber und ich die selbe Sache meinen wenn wir über Ehrlichkeit oder Betrug reden, aber letzten Endes ist mir sehr wohl klar, dass das leider nicht so ist. Spätestens wenn ich feststelle, dass ich nach meiner Definition belogen wurde. Spätestens dann kann ich mich auch nicht mehr in der Sicherheit scheinbar gleicher Definitionen wiegen und muss mich damit auseinandersetzen, was es eigentlich für mich bedeutet belogen zu werden.

Definitionen sind alles andere als einfach. Ich kann bis heute nicht genau definieren, was für mich Sex bedeutet (und wann er anfängt) oder flirten, aber immerhin kann ich inzwischen sagen, was z.B. Ehrlichkeit für mich ausmacht, wie ich alleine sein definieren und was ich unter Freiheit in Beziehungen verstehe. Ich weiß, dass ich manchmal an Definitionen und Begriffen hängen bleibe und viel und lange darüber reden kann. Ich weiß auch, dass ich damit schon so manch einer Person gewaltig auf die Nerven gegangen bin. Ich weiß aber auch, dass es sich für mich immer sehr bereichernd und gut angefühlt hat, wenn ich wusste was ich eigentlich sagen will und was ich eigentlich brauche. Definitionen bleiben für mich also der Dreh und Angelpunkt einer guten Kommunikation.

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Das kleine 1×1 der Kommunikation..und wieso ist das eigentlich so verdammt schwer?

 

Ich finde es grundsätzlich unglaublich schwer meine eigenen Bedürfnisse ehrlich zu kommunizieren. Viele Leute um mich herum scheinen es als keine all zu schwere Aufgabe zu betrachten, einfach ehrlich und klar zu kommunizieren, was sie wollen und was sie nicht, was sie sich erhoffen und was nicht und welche Erwartungen damit verbunden sein könnten. Mir fällt das viel schwerer. Über die letzten Jahre habe ich für mich selbst herausgefunden, dass sich meine Kommunikation innerhalb zwischenmenschlicher Beziehungen und vorallem in Polybeziehungen, häufig zwischen zwei Punkten bewegt: Grenzen und Definitionen von Begriffen. Wieso für mich beides so wichtig geworden ist, werde ich in den nachfolgenden Beiträgen weiter ausführen.

Inzwischen weiß ich, dass es mir leichter fällt Gespräche offen und ehrlich zu führen, wenn sie auf eine bestimmte Art und Weise strukturiert sind. Vor einem Klärungsgespräch oder ähnlichem, finde ich es beispielsweise gut, wenn ich mich selbst frage: Was ist der Sinn und Zweck des ganzen Gespräches? Ist es einfach nur eine Info, will ich diskutieren, will ich es später bereden, will ich, dass sich die andere Person Gedanken darüber macht und jetzt erst einmal nichts dazu sagt? Im Gespräch selbst hat es mir geholfen, wenn ich versuche so klar wie möglich meine eigenen Wünsche zu kommunizieren. Wie können wir es nächstes mal besser machen? Klare Wünsche zu kommunizieren kann schwerer sein als man meint. Mir fällt es dabei besonders schwer präzise zu äußern, was ich eigentlich sagen will. Viele von meinen Gedanken spielen sich in einzelnen Emotionen und Gefühlen ab, da kann ich meistens nicht klar eine Sache oder eine konkrete Situation benennen. Und zu guter Letzt: Wie können wir versuchen den unterschiedlichen Wünschen die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken? Wo ist die Mitte? Wie weit können wir aufeinander zugehen, dass es sich für alle gut anfühlt?

Das hört sich alles so schön einfach an, wenn ich es mir durch den Kopf gehen lasse und in diesem Beitrag verewige. Die Wahrheit ist leider, dass ich mich noch viel zu häufig über mich selbst ärgere. Manchmal gerne noch klarer sagen wollen würde, was ich eigentlich brauche, meine und will. Die Realität ist leider manchmal nicht so sanft und fluffig, wie ich sie mir wünschen würde. Sie schmeckt nun mal nicht immer wie ein saftiger Schokokuchen. Dafür habe ich unter bestimmten Umständen Angst, dass ich Menschen verletzte die mir wichtig sind. Sie zurückweise oder selbst Ablehnung erfahre. Vielleicht sogar für meine Bedürfnisse als komisch oder seltsam gesehen werde. Die Wahrheit ist leider, dass es immer besser ist ehrlich zu sein. Sowohl zu sich selbst, als auch zu anderen. Jede Situation, die ich mit Unwahrheiten weniger schlimm, weniger konfrontativ, weniger “gefährlich” oder beängstigend machen wollte, ist im Endeffekt viel schlimmer geworden. Es hat immer dazu geführt, dass ich andere Menschen verletzt habe, weil ich nicht ehrlich war und noch dazu, die Sache selbst, durch die Lüge an ungewollter Bedeutung gewonnen hat. Noch dazu kommen in Polybeziehungen so viele unterschiedliche Bedürfnisse und Gefühle und Gedanken zusammen, dass meiner Meinung nach mit Kommunikation alles steht oder fällt. So wie in jeder anderen Beziehung eigentlich auch.

Über die Zeit habe ich jeden Falls angefangen mir kleine Regeln zu setzen. Klar, ich halte sie mal mehr, mal weniger ein. Mal ist mir auch komplett bewusst, dass ich gerade all meine Vorsätze über den Haufen werfe – mit Schwung. Manchmal ist es mir auch erst im Nachhinein bewusst. Und ganz selten, wenn ich mich selbst kurz zurück nehme und einen Moment lang nicht mit Anlauf auf jedes möglicherweise stürmische oder aufwühlende oder schwierige Gespräch zurenne, dann erinnere mich mich an folgende Regeln:

 

  1. Ich-Botschaften machen einiges wirklich einfacher 😉
  2. Keine ernsthaften Beziehungsgespräche anfangen, wenn man kurz davor ist schlafen  zu gehen und sowieso schon müde ist.
  3. Auf Alkohol und unter dem Einfluss anderer Drogen ist auch nie eine gute Idee.
  4. 5 Minuten Pause hilft, wenn die Emotionen und Gedanken sich zu überschlagen scheinen und nur noch in Vorwürfen und Anschuldigungen gesprochen wird.
  5. Keine Verallgemeinerungen. Es ist selten schon immer alles schlecht oder negativ.
  6. Nur weil es sich zuerst scheiße anfühlt, heißt es nicht, dass es auch scheiße bleibt.
  7. Kommunizieren, wenn ich nicht sofort bereit über etwas zu reden/zu antworten und mir Zeit nehmen in Ruhe über Dinge nachzudenken, anstatt vorschnell zu antworten.
  8. Erwartungen kommunizieren. Ich kann nicht wissen, was andere wollen und andere nicht, was ich will.
  9. Nur, weil ich auf eine bestimmte Art und Weise über etwas denke und fühle, bedeutet das nicht, dass mein Gegenüber die Situation identisch wahrnimmt.
  10. Ultimaten lassen keinen Raum, um über Dinge zu verhandeln und haben in der Regel nur dazu geführt, dass sich meine Parter*innen in ihrer Freiheit zu Handeln beraubt gefühlt haben und viel viel Drama entstanden ist..entweder ich kann mich darauf einlassen über Dinge zu reden oder ich kann es nicht.

 

Fühlt euch bitte frei, Nr. 11,12,13,etc. zu ergänzen! Ich bin mir sicher, dass es noch ganz viele weitere tolle Vorsätze oder selbstgesetzte Regeln gibt, die unter anderem mich brennend interessieren würden 🙂

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