POLYPLOM

Von der täglichen Kunst polyamore Beziehungen zu führen

Schlagwort: Eifersucht // Jealousy

Eifersucht in Zeiten von Smartphones – besser, schlechter, anders?

Gerade eben bin ich beim Hören von Sex Tapes Podcast – Smartphone Love auf die Verknüpfung von Eifersucht und Smartphones gestoßen und konnte nicht mehr aufhören, darüber nachzudenken. Plötzlich hatte ich so viele Situationen im Kopf, in denen ich traurig oder ängstlich vor meinem Handy saß und versucht habe, die andere Person zu erreichen. Ich hatte auf einmal die Frage im Kopf, ob mein Handy mich eher dabei unterstützt oder meine Eifersucht in manchen Momenten verschlimmert, weil ich jederzeit und zu jedem Moment in Kontakt treten kann… Weiterlesen

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8 Tipps für den Umgang mit Eifersucht

————- Weil ich finde, dass es fast nur schlimme Fotos zum Thema Eifersucht gibt, kriegt ihr lieber ein hübsches Foto aus meinem derzeitigen Aufenthalt in Kolumbien. ————–

Wie ihr wisst, beschäftige ich mich seit längerem mit dem Thema Eifersucht. Mir ist es wichtig wertschätzend darüber zu schreiben und auch in meinen Workshops verfolge ich einen Embracing jealousy Ansatz. Nach jedem Workshop gehe ich mit neuen Erkenntnissen und Ideen nach Hause und lerne immer wieder neue Ideen und Methoden für den Umgang mit Eifersucht kennen. In dem nachfolgenden Beitrag möchte ich ein paar meiner Lieblings Tipps mit euch teilen, schließlich will ich nicht die einzige sein, die davon profitiert.

  • Atmen und eingestehen

Eifersucht ist ein komplexes Geflecht aus Emotionen. Das macht es zum einen schwer nachzuvollziehen, wo das Gefühl seinen Ursprung hat und zum anderen ist es selten eine grosse Hilfe die scheinbar schluessigsten und überzeugendsten Argumente aufzufahren. Warum? Weil die Emotionen die mit Eifersucht zum Vorschein kommen, da sind, ob man will oder nicht. Sie haben, wie alle anderen Dinge die wir empfinden, eine Daseinsberechtigung und können deswegen nicht argumentativ bei Seite geräumt werden. Ich finde es manchmal besonders hart mir einzugestehen, dass ich eifersüchtig bin. Eine Zeit lang dachte ich sogar, dass es mein Ziel sein sollte mich “von meiner Eifersucht” zu befreien. Dabei wollte ich sie viel lieber umarmen und als einen Teil von mir begreifen. Ich denke, dass ich meine Eifersucht erst verstehen und kennenlernen konnte, als ich einmal (vermutlich waren es eher 100mal) kräftig durchgeatmet und mir eingestanden habe, dass ich eifersüchtig bin.

  • Wohl fühlen wenn ich mich unwohl fühle

Ich vergleiche diesen Punkt gerne mit einer Qualle. Das Meer in dem sie sich befinden kann sich jeder Zeit ändern. Mal kann es rau, stürmisch, unvorhersehbar oder unberechenbar sein und Mal ganz ruhig. Ähnlich verhält es sich mit der Eifersucht. Manchmal kommt es vor, dass so viele stressige Situationen in meinem Leben auf einmal auftreten und ich viel stärker auf beängstigende Eifersuchtsmomente reagiere, als ich es eigentlich gewohnt bin von mir. Dann ist es fuer mich besonders wichtig, dass ich in solchen Momenten zum Teil andere Grenzen und Bedürfnisse habe, als ich es zu einem Zeitpunkt in meinem Leben hätte in dem alles entspannt und ruhig wäre. Nur, weil ich mich einmal mit etwas wohl fühle, heißt es nicht, dass ich es immer und zu jedem Zeitpunkt​ tun werde. Ich finde es vollkommen in Ordnung, dass nicht immer und zu jedem Zeitpunkt alles in offenen Beziehungen offen sein muss. Das bedeutet für mich, dass ich mich zu jedem Zeitpunkt​ erst einmal fragen​, was ich brauche, um mich wohl zu fühle wenn ich mich unwohl fühle.

  • Energien umlenken

Für manche Menschen, mich inklusive, kann es total helfen mit den angestauten Energien etwas anzustellen. Manchmal habe ich das Gefühl vor Traurigkeit, Wut oder Ärger zu platzen. Mir hilft es dann zum Beispiel zu schreiben, die Gedanken fliessen zu lassen kann wie ein Vehikel für meine Gefühle sein. Eifersucht ist häufig außerdem häufig etwas sehr körperliches, deswegen kann es auch helfen sich einmal kräftig zu schütteln, zu schreien oder jeglichen anderen körperlichen Betätigungen nachzugehen, um sich von dem möglichen Onmachtsgefühl zu lösen.

  • Eine Frage der Strukturierung

Für Menschen die gerne Dinge strukturieren, und wieder fühle ich mich davon sehr angesprochen ;), kann es hilfreich sein, Gefühl auf einer Skala zu verstehen. Beispielsweise können viele Situationen die mit Eifersucht zu tun haben, mit einer ersten Irritation oder einem Gefühl von Verwirrung beginnen. Stellt man sich jetzt eine Skala vor, dann würde bei mir zum Beispiel als nächstes Frustration oder Ärger folgen. Irgendwo in der Mitte würde dann Wut stehen und am Ende Zorn, weil ich Zorn als etwas langanhaltendes und längerfristigeres als Wut verstehe.
Es kann also hilfreich sein, sich entlang seiner eigenen Emotionen zu orientieren und sich zu fragen: In welche Richtung will ich mich bewegen?
Welches Gefühl ist für mich schwächer bzw stärker als Wut, Ärger oder Zorn? Und ganz wichtig: Ist es okay, wenn ich es schaffe mich “nur” zu ärgern? und weil ich es nicht oft genug sagen kann, auch hier noch Mal: nicht zu hart über sich selbst urteilen.

  • Methoden aus anderen Bereichen übernehmen

Es gibt eine Vielzahl an Methoden aus anderen Bereichen, die sich ganz wundervoll auf Eifersucht übertragen lassen. Da gibt es den Bereich der Phobien, wo sich häufig versucht wird Schritt für Schritt an die Angst heran zu tasten. Im Zusammenhang mit der Eifersucht kann das bedeuten, dass wenn beispielsweise jemand Angst hat, dass die Beziehungsperson bei lovern übernachtet, ein langsames heran tasten an die Situation helfen kann. Das kann bedeuten, dass man sich zum Beispiel zu erst auf eine Zeit verabredet, zu der die Beziehungsperson nach Hause oder zu einem Treffpunkt kommt und die andere Person spüren lassen kann, dass sie auf ihre Gefühle Rücksicht nehmen möchte. Im nächsten Schritt könnte sich die Uhrzeit nach hinten verschieben oder flexibel werden usw. Ich finde es voll wichtig nicht zu vergessen, dass in solchen Situationen meistens alle Beteiligten in irgend einer Form zunächst einen Kompromiss eingehen und die Situation angespannt oder sensibel sein kann. Eine weitere Methode können die vier Phasen der Trauer von Verena Kast sein. Für mich hat Eifersucht nämlich häufig mit loslassen von bestehenden Mustern zu tun und dem Einlassen auf Neues. Das wiederum bedeutet, dass ich manchmal eine Zeit lang brauche, um um das Vergangene zu trauern.

Eine meiner ersten positiven Erfahrungen mit Eifersucht hatte mit einem Treffen zu dritt zu tun. Es war das erste Mal, dass ich eine tatsächliche Begegnung mit der gefürchteten lover Person meiner Partnerin hatte. Davor waren mir zwei Sachen nicht so richtig klar gewesen. Erstens, dass der Mensch kein magisches Einhorn ist und eben so wenig perfekt ist wie ich es bin. Zweitens, dass ich diesen Menschen tatsächlich sympathisch und nett finden könnte. Dieses aller erste Treffen hat mich enorm erleichtert und es hat für mich einiges de-mystifiziert. Ich dachte, dass ich da einen Über Menschen treffe, dabei war die Person eben so nervös und unsicher wie ich es war. Wir haben uns ziemlich gut verstanden und danach fiel es mir um einiges leichter mit der Situation umzugehen. Ich glaube die Tatsache, dass dieser Mensch kein Hirngespinst mehr war, dem ich alle möglichen Eigenschaften und Böswilligkeiten unterstellen konnte, machte es einfacher. Außerdem ist mir bewusst geworden, dass ich selbst die Entscheidung getroffen habe, dass ich diesen Menschen in mein Leben lassen möchte. Es fühlte sich danach nicht mehr so aufgezwaengt und von Außen bestimmt an, sondern vielmehr selbstbestimmt.

Die wundervolle Elisabeth Sheff hat vor einiger Zeit auf psychology today die drei D’s eingeführt. Diese setzen sich zusammen aus discuss (=miteinander reden und versuchen heraus zu finden, was die Eifersucht ausgelöst hat. dabei kann es helfen sich zum Reden Rücken an Rücken zu setzen. Dadurch ist man sich körperlich trotzdem nah und gleichzeitig kann es leichter fallen einander ausreden zu lassen und zuzuhören. Außerdem sieht man nicht sofort das traurige, wütende oder verletzte Gesicht der anderen Person und kann sich besser auf das Gesagte einlassen), distract (= hier geht es im Grunde um selfcare. Ich muss nicht zu Hause sitzen und versuchen alleine mit einer Eifersucht klar zu kommen, während meine Beziehungsperson auf einem aufregenden Date ist. Eifersucht ist kein Härtetest, es ist voll okay uns gut sich Unterstützung zu holen, wenn es einem hilft :)), do (= schöne und bedeutsame Dinge zusammen unternehmen, Pläne machen und kleine gemeinsame Abenteuer planen. Wenn ich neidisch und eifersüchtig bin, dass meine Beziehungsperson ein aufregendes Date hat, hilft es mir manchmal zu wissen, dass wir am kommenden Wochenende oder in naher Zukunft auch etwas schönes gemeinsam geplant haben. Elisabeth Sheff schreibt von hier nur von Sex bzw. physischer Nähe im allgemeinen, aber ich weite es gerne auf quality time aus.)

  • Gemeinsam schwärmen

Ein kleiner Tipp zum Schluss. Ich hab gemerkt, dass ich es sehr genieße mich mit meinen Beziehungspersonen über kleine Flirts oder Momente der Anziehung auszutauschen. Zum einen, weil ich dann nicht aus allen Wolken falle, wenn ich Mal wieder merke, dass ich natürlich nicht die einzige Person bin, die meine Beziehungspersonen auf diesem Planeten interessant finden. Zum anderen, weil diese Anziehungsmomente meist so kurz und flüchtig sind, dass sie vielmehr eine Plattform für kleine Gedankenexperimente darstellen. So kann ich mir manchmal vorstellen, was es gerade mit mir machen würde, wenn daraus mehr entstehen würde. Das macht die Eifersucht und die damit zusammen hängenden Emotionen nicht mehr so weit weg.

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Trigger/Situationen in denen ich an alte Verletzungen erinnert werde..und wie gehe ich damit um?

Kenn ihr dieses Gefühl wenn euer Körper mit euch macht was er will? Wenn ihr merkt, dass ihr euch eigentlich gerade anders verhalten wollt, aber nicht könnt, weil ihr euch blockiert fühlt. Ich kenne das ziemlich gut. Meistens erfahre ich dieses Gefühl, wenn ich mich überfordert fühle und in gewisser Weise von einer Situation so dermaßen überrascht werde, dass mein Körper komplett zu macht. Sehr häufig wurde ich in solchen Momenten getriggert/an etwas erinnert. Das bedeutet, dass eine aktuelle Situation mich in ein Gefühl versetzt das mir aus der Vergangenheit schon bekannt ist und mich unter Umständen sogar an alte Traumata erinnert. Die Gefühle aus der aktuelle und der vergangenen Situation vermischen sich und es ist für mich zunächst unklar, ob ich von der aktuellen Situation überfordert bin oder mich so stark an die vergangene Situation erinnert fühle und mich in das Gefühl von damals überkommt.

Dass ich unter anderem sehr körperlich auf Trigger/Erinnerungen reagiere, macht es nicht einfacher mit ihnen umzugehen. Ich verliere für eine gewisse Zeit die Kontrolle über meinen Körper, weil er mir durch seine Abwehrreaktion signalisiert, dass er überhaupt nicht gerne an die Herausforderungen und Verletzungen aus der vergangenen Situation erinnert werden will und sie auch gewiss nicht noch einmal erleben möchte. Vor einigen Wochen gab es zum Beispiel die Situation, dass ich mich plötzlich mit einem starken Misstrauensgefühl konfrontiert sah. Ich wusste genau, dass dieses Misstrauensgefühl mit der aktuellen Situation überhaupt nichts zu tun hatte. Meine Beziehungsperson hatte mich noch nie zuvor belogen oder mir in irgend einer Form einen Anlass zum misstrauen gegeben – wieso hätte ich also misstrauisch sein sollen? Ich vertraue ihr vollkommen und doch war ich misstrauisch.

In der Regel halten wir die meisten Absprachen in unserer offenen Beziehung sehr offen, schließlich kann es passieren, dass man einfach mal seine Meinung ändert und doch Lust auf was anderes hat. Situationen können Bedürfnisse formen und bevor ich nicht in einer bestimmten Situation war, weiß ich häufig gar nicht wie weit ich Lust habe mit anderen Menschen zu gehen. Dieses mal war es anders. Zum ersten Mal hat sie den Satz „Ich hab wenn überhaupt nur Lust zu knutschen“ fallen gelassen. Im ersten Moment mochte ich, dass sie weiß was sie will und habe darin eine gewisse Sicherheit verspürt, weil ich wusste was mich potentiell erwartet und was nicht. Je länger ich jedoch über den Satz nachdachte, umso mehr verunsicherte er mich.

Was badetet überhaupt “nur knutschen” und was wenn sie ihre Meinung ändert? Vielleicht weiß sie selbst gar nicht was sie will? Vielleicht schränkt sie das auch ein? Ich wusste plötzlich nicht mehr, ob ich mich überhaupt auf unsere Absprachen verlassen konnte und wurde misstrauisch. Ich hatte das Gefühl, dass ich eine unverhältnismäßig starke Reaktion auf eine Situation zeige, die mich in der Regel nicht so stark verunsichern würde. Und so hat dieses Misstrauen zwei konkrete Fragen aufgeworfen:

1.) Woher kommt das Misstrauen?
2.) Was hat das mit meiner Beziehungsperson zu tun?

Nach und nach habe ich mich daran erinnert, dass in meinen ersten Versuchen eine offene Beziehung zu führen, viele Absprachen ziemlich schief gelaufen sind. Wir haben uns Dinge versprochen, um einander ein Gefühl von Sicherheit zu geben und uns selbst dadurch extrem eingeschränkt. Wir haben versucht eine offene Beziehung zu leben, in der es für jeden Atemzug eine Absprache gab. Das hat uns beide stark unter Druck gesetzt unsere Bedürfnisse innerhalb dieser Absprachen zu definieren. Bedürfnisse war nicht mehr flexibel und veränderbar und das führte häufig zu Enttäuschungen und Vertrauensbrüchen, weil wir darauf vertraut haben was die jeweils andere Person gesagt hat. Die Antwort auf Frage Nr. 1 lautet also: Es erinnert mich an Situationen in denen mir eine andere Person das Gefühl von Sicherheit vermitteln wollte und sich selbst dadurch komplett eingeschränkt hat. Die Antwort auf Frage Nr. 2 konnte also nur lauten: Ich hatte Angst, dass sie sich einschränkt ohne es zu merken, ich darauf vertraue und dann aus allen Wolken fallen, weil es doch nicht so ist.

Ich finde das Beispiel so treffend, weil es eine vermeintlich kleine Situation sehr groß wirken lässt, allein durch die Tatsache, dass ich mich daran erinnert gefühlt habe. Es zeigt außerdem, dass nicht zwangsläufig jemand etwas „falsch“ gemacht haben muss, damit es sich falsch anfühlt. Wenn ich mich an vergangenen Situationen erinnert fühle, dann ist das Gefühl erst einmal im Raum. Es schafft eine angespannte Atmosphäre und die ist sehr Wirkungsmächtig. In so einem Moment gibt es zwei Perspektiven auf die Situationen. Zum einen die Perspektive der getriggerten/an etwas erinnerten Person und zum anderen diejenigen der Person(en) die dieses Gefühl ausgelöst haben. Demzufolge kann es auch zwei Möglichkeiten geben damit umzugehen. Wenn ich getriggert/an etwas erinnert wurde, versuche ich mir zunächst folgende Fragen zu stellen:

  1. Gab es schon einmal eine ähnliche Situation an die mich die aktuelle Situation erinnert?
  2. Ist/sind die gleiche(n) Person(en) beteiligt?
  3. Was war die Herausforderung/Verletzung in der vergangenen Situation?
  4. Sehe ich Elemente in der jetzigen Situation, die in mir das Gefühl aus der vergangenen Situation hervorrufen?
  5. Was brauche ich gerade, um mich wohl(er) zu fühlen?

Manchmal will ich mich auch nicht sofort mit diesen Fragen beschäftigen. Manchmal will ich mich der Situation gar nicht stellen, sondern einfach in dem Gefühl verweilen oder aufstehen und gehen. Ich verspüre häufig den Impuls einfach aufzustehen und zu gehen, wenn ich getriggert wurde. Es kommt also ganz darauf an, ob und wie ich gerade den Zugang zu mir selbst finde. Ich finde es jedoch wichtig, dass ich diese Fragen früher oder später durchdenke. Es hilft mir dabe zu verstehen, ob irgend etwas hätte anders laufen können. Wer hätte etwas anderes machen können, damit das nicht passiert Letztlich finde ich es auch fair, wenn ich zu irgend einem Zeitpunkte kommunizieren kann, was da gerade passiert ist. Ich will der/den anderen Person(en) nicht das Gefühl vermitteln, dass sie etwas falsch gemacht haben, wenn sie es gar nicht hat/haben.

Für die Person(en) die triggert(n)/etwas in mir ausgelöst haben ist es anders. Ich empfand es als erleichternd, wenn Menschen mich etwas besser kannten und gewisse körperliche Reaktionen deuten konnten. Einige davon sind zum Beispiel: Ein gesenkter Blick, wenig Augenkontakt, keine bis wenig körperliche Zuneigung oder Nähe, eine gebückte Körperhaltung, eine gesenkte Stimmlage und der Reflex zu fliehen und schnell aus der Situation raus kommen zu wollen. Mir hat es geholfen, wenn meine Reaktion nicht abgetan oder als übertrieben abgestempelt wurde. Ein vorsichtiges Annähern hilft mir häufig. Es kann auch sein, dass ich gar nicht in der Lage bin auf Fragen zu antworten, weil ich selbst nicht weiß was los ist, aber es tut gut zu wissen, dass die andere Person mich unterstützt und versucht einfühlsam für mich da zu sein.

Ich kann nicht erwarten (und will ich auch nicht), dass jemand meine Gefühlslage deutet. Ich weiß, dass das sehr schwierig bis unmöglich ist. Wenn ich jedoch weiß was mich triggert könnte/bestimmte Erfahrungen in mir hervorruft, kann ich andere Menschen darauf vorbereiten wie ich möglicherweise reagieren könnte und von vornherein klar stellen, wie ich auf bestimmte Situationen reagieren kann, ohne, dass diese Menschen notwendigerweise etwas “falsch” gemacht haben. Meine Beziehungsperson konnte mir nicht das Gefühl von Misstrauen nehmen, weil es nichts mit ihr und ihren Handlungen zu tun hatte. Das Misstrauen ist ein grundsätzliches Misstrauen und kann mir von niemandem genommen werden. Ich kann jedoch dabei unterstützt werden, dass es kleiner wird und vielleicht irgendwann einmal ganz weg ist. Je häufiger ich also positive Erfahrungen mache wenn ich misstrauisch bin, zum Beispiel, weil sich das Misstrauen nicht bewahrheitet, hilft es mir in Zukunft mich an positive, vergangenen Erfahrungen zu erinnern und die negativen Erfahrungen damit in den Hintergrund zu rücken. Ich ergänze quasi die negativen Erfahrungen durch die positiven und führe mich selbst Schritt für Schritt aus diesem Misstrauen heraus.

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Embrace your jealousy. Ein Plädoyer auf Eifersucht.

Als ich angefangen habe, mich mit offenen Beziehungen auseinanderzusetzen, war die einzige Message, die ich immer und immer wieder bekommen habe: Eifersucht ist schlecht. Das Ziel sollte sein, mich davon zu befreien, weil alles, was dahintersteht, verwerflich ist. Mein erstes Buch zu dem Thema schaffte es sogar, diese Aussage in Bilder zu fassen. Auf dem Cover war ein Herz zu sehen, umschlungen von stählernen Ketten, versiegelt durch ein mächtiges Schloss. Weiterlesen

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Warum ist Eifersucht gut und wie kann ich damit umgehen? Part 2

Ich habe Eifersucht schon auf sehr unterschiedliche Weise erlebt. Im letzten Beitrag schrieb ich über mein „ich liege auf dem Boden und bin zutiefst traurig und verzweifelt“ Erlebnis, es gibt aber auch ganz viel dazwischen. Von kurzer Unsicher, über tiefsitzende Ängste, bis hin zu Situationen dich mich an vorherige Situationen erinnern und Traumata triggern. Die Eifersuchtspalette ist reich an Inhaltsstoffen. Ich weiß keinen allgemerin gültigen Umgang mit Eifersucht, das wäre auch ziemlich utopisch, aber ich kann meine Erfahrungen mit euch teilen und vielleicht kann ich sogar dazu beitragen, dass die ein oder andere Person von meinen Gedanken dazu profitiert :). Weiterlesen

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Warum ist Eifersucht gut und wie kann ich damit umgehen?

Dieser Eintrag wird alles andere als theoretisch. Ich kann ihn nur schwer mit einer gewissen Distanz verfassen, weil das Thema immer und immer wieder eine große Herausforderung für mich darstellt. Ich verbinde mit Eifersucht viele unterschiedliche Emotionen. Die meisten davon sind negativ, das kann ich nicht leugnen, aber ich möchte euch gerne erklären, wieso es auch durchaus und vielleicht sogar in erster Linie etwas positives hat.

Wenn ich an Eifersucht denke, dann denke ich vorallem an schmerzvolle Situationen. Ich erinnere mich so zum Beispiel an die Zeit, in der meine Partnerin und ich unsere geschlossene, romantische Zweierbeziehung (RZB) zu einer geöffneten Beziehung veränderten. Ich kann mich gut an den Schmerz erinnern, an die Trauer und das Gefühl, dass mein komplettes Weltbild einmal Kopf steht. Ich kann mich auch gut erinnern, dass ich die ganze Zeit dachte, dass ich das nicht empfinden darf. Wieso sollte ich auch, wenn ich die Person liebe und möchte, dass sie glücklich ist? Wieso kann ich das nicht? Wieso bin ich dazu nicht in der Lage? Das waren alles Fragen, die mir immer und immer wieder im Kopf herum gingen. Ich konnte den Schmerz und die Trauer nicht so richtig zulassen, aber trotzdem habe ich gelitten. Ich habe so sehr gelitten, dass ich zum Teil auf dem Boden lag, geweint hab und mich vor lauter Herzschmerz und Trauer nicht mehr bewegen konnte.

Ich weiß ganz genau, dass es nicht darum geht, dass meine Partner*innen einen Menschen finden, der besser zu ihnen passt, spannender ist, großartigeren Sex mit ihnen hat etc. Mir ist durchaus bewusst, dass es meistens keine realen Gefahren sind, trotzdem fühle ich sie sehr bewusst. Genau das macht es für mich so schwer die Gefühle zuzulassen. Die ersten Bücher und “Ratgeber” die ich zu diesem Thema gelesen habe, haben mir alle vermittelt, dass es schlecht ist, dass ich das fühle und sie mir allesamt helfen wollen dieses Gefühl zu überwinden. Selbst jetzt, wenn ich nach Büchern zum Thema”Eifersucht” suche, schreiben viele davon “Eifersucht überwinden”, Eifersucht auflösen”, “Eifersucht: Bewältigungsstrategien”etc. Eifersucht ist also häufig als etwas schlecht und ablehnenswertes gesehen. Vielleicht will ich Eifersucht aber auch gar nicht “überwinden”, vielleicht will ich viel mehr lernen mit ihr in einem friedlichen Miteinander zu leben und sie als Teil meiner großen, großen Gefühlswelt zu sehen. Wieso muss Eifersucht auch von Anfang an als etwas per se negatives gesehen werden? Kann es nicht auch erst einmal ohne das Label “negativ” gelten? Ich denke schon!

Während meiner Auseinandersetzung mit mir selbst (und unzähligen aufschlussreichen Blogs, Online Artikeln und Büchern), ist mir immer klarer geworden, dass Eifersucht nicht nur eine Störung meines behutsamen Alltags ist, sondern auch als Aufstörung oder eine Art Antrieb funktioniert. Sie deutet darauf hin, dass mir eine Beziehung, welcher Art auch immer,  wichtig ist. Letzten Endes ist es also irgendwie ein Mechanismus, um die Art von Beziehung zu beschützen die ich habe,  mit dem Ziel sie Aufrecht zu erhalten. Was für ein komplexes Gebilde steht also hinter Eifersucht?

Ich stelle es mir gerne – auch wenn es ein bisschen kitschig ist – folgendermaßen vor: IMG_1405.jpg

Ich glaube, dass ihr trotz meiner miserablen Zeichenkünste erkennen könnt, was es darstellen soll: einen Eisberg. Eifersucht ist sozusagen bildlich gesprochen der Gipfel des Eisbergs. Er deutet zwar an, was unter ihm lauert, aber auf den ersten Blick zieht man nur die Spitze, somit empfinde ich zunächst das Gefühl von Eifersucht. Darunter liegen all die unterschiedlichen, mehr oder weniger offensichtlichen Gefühle, die mich unmittelbar zu mir selbst führen. Durch all den Schmerz bin ich letzten Endes gezwungen mich mit mir selbst auseinander zu setzen und auf große Entdeckungsreise in die Tiefen meiner Gefühlswelt einzutauchen. Was ich dort finde? Viele, viele Ängste. Unter anderem auch Wut, hauptsächlich auf mich selbst und immer wieder Trauer und Traurigkeit. Ich empfand dabei den Artikel “What are you experiencing when you are jeaulous?” von Kathy Labriola als sehr, sehr hilfreich (selbst wenn er zum Teil heteronormativ ist), weil er mir geholfen hat Eifersucht innerhalb dieser drei sehr dominanten, negativen Emotionen zu verstehen : Wut, Trauer und Angst. Ich finde es total hilfreich, wenn ich meine Emotionen strukturieren kann und sie sich nicht wie ein diffuser, großer, unüberwindbarer Knoten anfühlen. So werden sie greifbarer und realer und ich kann daran arbeiten und mich verändern, wenn ich das möchte. Die drei Emotionen sind jedoch auch wieder “nur” Unterkategorien und es hilft mir häufig so klar wie möglich zu definieren, was ich eigentlich fühle. Dabei kann es von einem Gefühl von Ohnmacht, über Depressionen und Hilflosigkeit, bis hin zu Verlustängsten, der Angst vor Einsamkeit, Schwindelgefühlen, Motivationslosigkeit und Bauchkrämpfen etc. reichen. Kathy Labriola schlägt außerdem vor einen jealousy pie zu zeichnen, der einem verdeutlichen soll, ob und welche der drei Emotionen vordergründig zum Vorschein kommen. Das kann folgendermaßen aussehen:

IMG_1406.jpg

Wichtig Fragen wären in meinem Fall:

1.) Wovor habe ich Angst?

2.) Wie wahrscheinlich ist es, dass sich meine Ängste bewahrheiten?

3.) Wie gehe ich damit um, wenn sie sich bewahrheiten? Was kann ich tun, um mich um mich selbst zu kümmern? Was brauche ich?

Der letzte Punkt ist besonders wichtig, weil das eigentlich der Dreh- und Angelpunkt der ganzen Transformation ist. Ich kann nicht besser mit Situationen umgehen, wenn ich nicht weiß was ich brauche, um damit umzugehen. Was fühlt sich gut an? Was kann ich machen, um self care zu betreiben? Mir hilft es zum Beispiel mir schöne Dinge vorzunehmen, wenn mich Situationen verunsichern. Ich muss nicht den ganzen Abend zu Hause sitzen und mich gewissermaßen zwingen das Gefühl durchzustehen und auszuhalten, wenn eine meiner Beziehungspersonen gerade auf einem Date ist. Es ist auch okay  und sogar sehr schön mir eine schöne Abendgestaltung zu überlegen und gegebenenfalls Freund*innen um Unterstützung zu bitten. Ich muss nicht alleine irgendetwas durchstehen, das fällt unter den Punkt “nicht zu hart zu sich selbst sein”, auf den ich etwas später eingehen werde. Manchmal ist es auch schön sich noch einmal in Erinnerung zu rufen, dass viele meiner Vorstellungen von Liebe und Beziehungen von einer heteronormativen Gesellschaft geprägt sind. Es macht total Sinn, dass ich eifersüchtig werde, wenn mir beinahe jeder Film und jedes Buch, was ich in meiner Jugend gelesen und gesehen habe, suggeriert, dass jede Beziehung aus zwei Menschen besteht und jegliche Form von Interesse, das über Freundschaft hinaus geht, als verwerflich und problematisch dargestellt wird. Wir lernen, dass Menschen nur das Interesse an anderen Menschen entwickeln, wenn sie unzufrieden sind in ihrer Beziehung und ihre*n Partner*in nicht mehr begehren. Dass das nicht zwangsläufig stimmt, ist schwer zu realisieren, wenn ich die meiste Zeit meines Lebens diese Dinge nicht in Frage gestellt habe. In welchem Film kriege ich auch zu hören: “Warte, lass dich nicht von diesem Film beeinflussen, du kannst immer noch selbst entscheiden was du unter Eifersucht verstehst” oder “Kinder, das ist nur eine Form von Beziehung, da draußen gibt es noch so viel mehr zu entdecken. Husch, husch”. Es gibt weniger role models für Polybeziehungen in Filmen/Büchern/Zeitschriften etc. und so erscheint es mir auch logisch, dass es nicht einfach ist seine eigenen Regeln, Grenzen, Strukturen und Bedürfnisse, außerhalb einer geschlossenen Monomanen Beziehung zu finden. Das kostet viel Energie und Zeit und manchmal bin ich dabei schon aus allen Wolken gefallen, weil meine Beziehung doch nicht so unveränderter schien wie ich dachte.

Ich habe für mich vor nicht all zu langer Zeit gelernt, dass es vollkommen okay ist zu trauern, leiden und all den Schmerz zu empfinden, der mit dem Gefühl von Eifersucht in Erscheinung tritt. Daran ist nichts verwerfliches oder schlechtes. Besonders realistisch ist es auch, dass ich als Person in einer Polybeziehung und zwei offenen Beziehungen, trotzdem auch immer wieder eifersüchtig bin. Ich bin nicht immun dagegen, ich bin genau so wie andere Menschen auf dieser Welt manchmal unsicher und manchmal auch besonders empfindsam für gewisse Situationen und ich will mich dafür nicht schämen müssen. Mir ist es jedoch auch wichtig geworden, dass ich mich nicht von der(n) Emotion(en) überwältigen lasse. Eifersucht kann so kompliziert sein und einen im wahrsten Sinne des Wortes vollkommen überrollen, aber ich mache mir immer wieder bewusst, dass ich immer noch die Kontrolle über meine Handlungen habe und an bestimmten Sachen arbeiten kann, wenn ich es denn will. Um diesen Eintrag allerdings nicht ins Unendliche auszuweiten, schreibe ich darüber in  “Why is jealousy good Part 2”. Ich will außerdem gerne (m)einen Umgang mit Eifersucht mit euch teilen, auf self care und auf die Fragen “Was, wenn mich Situationen von früher triggern? und “Was hat eigentlich Eifersucht mit Vertrauen zu tun?” eingehen.

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